Freitag, 20. Januar 2017
28. April 2016 um 15:10 Uhr von Von Andrej Sokolow, dpa

Computer : Zuckerberg strebt lebenslange Kontrolle über Facebook an

Menlo Park (dpa) Mark Zuckerberg will die Welt verbessern - und zugleich die Kontrolle bei Facebook behalten. Eine neue Aktienstruktur wird nun seinen Einfluss beim weltgrößten Online-Netzwerk auf lange Zeit zementieren.
Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat gute Gründe, glücklich zu sein: Das Unternehmen hat ihn zu einem der mächtigsten Männer der Welt gemacht. Foto: Kay Nietfeld

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat gute Gründe, glücklich zu sein: Das Unternehmen hat ihn zu einem der mächtigsten Männer der Welt gemacht. Foto: Kay Nietfeld

Mark Zuckerberg erklärt sich bei Vorlage der Facebook-Quartalszahlen für Gott», titelte das Technologieblog «Gizmodo», nachdem der 31-Jährige Gründer des weltgrößten Online-Netzwerks seine Pläne zur Weltverbesserung verkündete.

Die für ihre freche Art bekannte Website übertrieb natürlich, aber mit einigen von Zuckerbergs Zielen könnte auch Gott überfordert sein.

Er wolle unter anderem helfen, bis Ende des Jahrhunderts alle Krankheiten zu heilen und die Umwelt vor dem Klimawandel zu schützen, erklärte Zuckerberg. Er und seine Frau Priscilla Chan kündigten bereits zur Geburt ihrer Tochter Max an, dass sie dafür im Laufe ihres Lebens 99 Prozent ihrer Facebook-Aktien spenden werden.

Jetzt nimmt dieser Plan Gestalt an: Mark Zuckerberg will dafür sorgen, dass er Facebook weiter regieren kann, auch wenn sein Anteil an Facebook durch Wohltätigkeit in den kommenden Jahren unweigerlich sinken wird.

Die Lösung sind neue Aktien, die keine Stimmrechte haben. Zuckerberg hat jetzt schon überdurchschnittliches Gewicht bei strategischen Entscheidungen, weil seine Papiere der Klasse B jeweils zehn Stimmrechte haben, während gewöhnlichen Aktionären nur eine Stimme pro Anteilsschein zusteht. Google schützt den Einfluss seiner Gründer Larry Page und Sergej Brin auf ähnliche Weise.

Mit der neuen Aktienstruktur dürfte der Gründer auf Lebenszeit das Sagen bei Facebook haben. Jedenfalls solange wie er sich bei Facebook aktiv engagiert, diese Einschränkung ist in dem Vorschlag für die Hauptversammlung festgeschrieben. Die Aktionäre sollen am 20. Juni über die Neuordnung abstimmen - auch wenn Facebook sie freundlich darauf hinwies, dass ihre Meinung eigentlich egal ist: Selbst wenn sie dagegen sind, kann Zuckerberg den Plan mit seiner Stimmenmehrheit einfach durchsetzen.

Der Vorstoß bekräftigt, dass es Mark Zuckerberg nicht reicht, einfach nur ein schwerreicher Internet-Unternehmer zu sein. Er meint es offenbar ernst, wenn er gebetsmühlenartig wiederholt, dass er die ganze Welt vernetzen will und Millionen in die Entwicklung von Drohnen und Satelliten zur Internet-Versorgung steckt. Und es war kein Zufall, dass er sich mit gerade einmal 20 Jahren weigerte, Facebook für eine Milliarde Dollar an Yahoo zu verkaufen. Zuckerberg will die Kontrolle bei Facebook an niemanden abgeben.

Das macht den jugendlichen T-Shirt-Träger zu einem der mächtigsten Männer der Welt. Nicht nur weil das Werbegeschäft von Facebook keine Spur von Schwäche zeigt und Quartal für Quartal Milliarden abwirft. Rund 1,65 Milliarden Nutzer verbringen Zeit bei Facebook, eine Milliarde sogar täglich. Sie lesen Nachrichten, die von Facebooks Algorithmen vorsortiert wurden, sie tauschen ihre Fotos, Videos und private Nachrichten über das Netzwerk aus.

Der finanzielle Erfolg erlaubt es Zuckerberg, selbstbewusst aufzutreten und auch politische Akzente zu setzen, etwa als er jungst bei Facebooks Entwicklerkonferenz F8 gegen Abschottungs-Tendenzen in der Welt wetterte.

Zuckerberg glaubt, dass er besser als die oft auf kurzfristige Zahlen fixierten Anleger weiß, was auf lange Sicht gut für Facebook ist. In den vergangenen Jahren ging er bereits große Wetten mit dem Kauf der Foto-Plattform Instagram für eine Milliarde Dollar oder des Kurzmitteilungsdienstes WhatsApp für am Ende über 22 Milliarden Dollar ein. Und von solchen «kühnen» Schritten werde es mit ihm in Zukunft noch mehr geben, kündigte Zuckerberg an.

Am Ende sei die Aktienstruktur für die Anleger eine Frage des Vertrauens, sagte der auf gute Unternehmensführung spezialisierte Stanford-Professor Joseph Grundfest der «Financial Times»: «Ob ein Aktionär für oder gegen diese Idee ist, hängt fast nur von seinem Glauben an Mark Zuckerberg ab.»


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