Dienstag, 16. Januar 2018
04. Dezember 2017 um 11:00 Uhr von Von Peter Zschunke, dpa

Netzwelt : Mainzer Superrechner jongliert mit Petaflops

Mainz (dpa) Ohne Hochleistungsrechner ist Klimaforschung ebenso undenkbar wie die Erkundung kleinster Atomteilchen. Mit Mogon II an der Mainz Uni bekommt das «High Performance Computing» in Deutschland neuen Schub.
Hier wird auch mit Petaflops jongliert: Ein Superrechner am Zentrum für Informationsdienste und Hochleistungsrechner (ZIH) der Technischen Universität (TU) Dresden. Foto: Arno Burgi

Hier wird auch mit Petaflops jongliert: Ein Superrechner am Zentrum für Informationsdienste und Hochleistungsrechner (ZIH) der Technischen Universität (TU) Dresden. Foto: Arno Burgi

Der leistungsstärkste Computer einer deutschen Universität hat in Mainz seinen Betrieb aufgenommen. Offiziell eingeweiht wird der Supercomputer Mogon II im März.

Die Anlage, die nach dem antiken Stadtnamen Mogontiacum aus der Römerzeit benannt ist, dient künftig vor allem der Grundlagenforschung in Physik, Biologie, Medizin und Geologie. Physiker des Helmholtz-Instituts Mainz wollen die Anlage für die Simulation von Teilchenkollisionen nutzen. «Auch Wetter und Klima sind ein Thema für Mogon II», sagt der Leiter des Zentrums für Datenverarbeitung (ZDV) an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, André Brinkmann.

Die Klimaforschung profitiert von der Fähigkeit des Supercomputers, auch sehr hohe Auflösungen zu berechnen. «Je mehr Rechenkapazität wir haben, umso feiner können wir auflösen», erklärt Brinkmann. Klimaforscher und Meteorologen könnten dann viel feinere Eigenschaften modellieren und in ihre Berechnungen einbringen. «Für die Zukunft gibt es daher noch viel Raum für deutlich präzisere Vorhersagen.»

Mogon II, aufgebaut neben seinem Vorgänger aus dem Jahr 2012, kann in einer Sekunde rund 2 Billiarden Einzelberechnungen oder 2 Petaflops ausführen, 1 967 800 000 000 000 Gleitkommaoperationen (floating operations) pro Sekunde, abgekürzt als FLOPS. In der Liste der weltweit 500 schnellsten Rechner liegt Mogon II damit auf Platz 65. In der Spitze sind sogar 2,8 Petaflops drin.

Wenn nicht nur Leistung, sondern auch Stromverbrauch gemessen wird, rangiert der Mainzer Supercomputer in der Weltrangliste der Top-500-Supercomputer auf Platz 51. «Die Fortschritte der Computer-Technologie ermöglichen es, dass der neue Hochleistungsrechner bei nahezu siebenfacher Peak-Leistung gegenüber seinem Vorgängersystem mit einer Leistungsaufnahme von 657 Kilowatt nur 40 Prozent mehr Strom als dieses benötigt», erklärt Brinkmann.

Mogon II «wird das wissenschaftliche Rechnen im Bereich des High Performance Computing in Deutschland und insbesondere in Rheinland-Pfalz maßgeblich beeinflussen und nachhaltig befördern», erklärt Wolfgang Nagel vom Vorstand der Gauß-Allianz. Der Zusammenschluss kümmert sich um die Zusammenarbeit der Hochleistungsrechner (HPC) in Deutschland.

Die Verfügbarkeit leistungsstarker HPC-Systeme trage dazu bei, «Deutschlands Expertise im Bereich der Algorithmen, Simulations-Software und Software-Werkzeuge zu sichern und weiter auszubauen», erwartet Nagel, der an der Technischen Universität Dresden das Zentrum für Informationsdienste und Hochleistungsrechnen leitet. Im Kreis der Bundesländer mit HPC-Präsenz gewinne Rheinland-Pfalz nun verstärkt an Bedeutung.

Der Mainzer Hochleistungsrechner ist nicht der einzige im Bundesland. Neben einer HPC-Anlage der BASF in Ludwigshafen ist an der Technischen Universität Kaiserslautern der Supercomputer Elwetritsch im Einsatz, benannt nach einem Pfälzer Fabelwesen. Dieser Rechner bringt es nach Angaben einer Sprecherin auf eine Leistung von 230 Teraflops, also 0,230 Petaflops. Anfang kommenden Jahres wird der neue Hochleistungsrechner Elwetritsch II in Betrieb genommen, der die doppelte Rechenleistung bieten wird.

Beide Uni-Anlagen sind über eine 120-Gigabit-Glasfaserleistung miteinander verbunden, in der Allianz für Hochleistungsrechnen Rheinland-Pfalz (AHRP). «Wir versuchen, unsere Systeme ähnlich zu betreiben und von den anderen zu lernen, um Probleme schneller beheben zu können», erklärt Brinkmann. Außerdem kann im Verbund die Rechenlast ausbalanciert werden: Wenn Wissenschaftler in Kaiserslautern mehr Rechenleistung benötigen, als Elwetritsch zur Verfügung stellt, kann Mogon aushelfen.

Die mit Hilfe der Supercomputer erzielten Ergebnisse führen in der Regel nicht zu kurzfristigen Produkten, sondern dienen der Grundlagenforschung. «Das ist ohne öffentliche Förderung nicht machbar», erklärt Brinkmann. Die Johannes-Gutenberg-Universität und das Helmholz-Institut Mainz haben seit 2016 insgesamt 10,6 Millionen Euro in den neuen Mainzer Hochleistungsrechner investiert.

«Hochleistungsrechner sind heutzutage eine unverzichtbare Schlüsseltechnologie in nahezu allen Disziplinen», betont der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD). Im Verbund von Mainz und Kaiserslautern werde allen Wissenschaftlern in Rheinland-Pfalz Zugang zu Rechenleistungen der internationalen Spitzenklasse ermöglicht.

Was heute noch Topstandard der Hardware-Technik ist, kann in wenigen Monaten schon überholt sein. Die Dynamik bei Hochleistungsrechnern ist so groß, dass die jetzt in der Top-500-Liste genannten Computer bald nach unten durchgereicht werden. Aber die Liste wird nur zweimal im Jahr aktualisiert. Wenn im März die Einweihung von Mogon II ansteht, kann der Computer noch stolz seinen Platz 65 präsentieren.


Das könnte Sie auch interessieren
Weltweit haben Unternehmen in diesem Jahr gut 4,5 Prozent mehr für IT ausgegeben als im Vorjahr. Foto: Microsoft

:Gartner: Ausgaben für IT steigen auf 3,7 Billionen Dollar

Stamford (dpa) Unternehmen werden in diesem Jahr nach Schätzungen der Marktforschung Gartner gut 4,5 Prozent mehr für IT-Produkte ausgeben als im Vorjahr. Weltweit werden sich die Ausgaben demnach auf 3,7 Billionen Dollar belaufen, teilte das Unternehmen mit. mehr...

187 Online-Dating-Portale setzen laut Verbraucherschützern Fake-Profile ein. Foto: Monika Skolimowska

:187 Online-Dating-Portale mit Fake-Profilen

München/Berlin (dpa) Verbraucherschützer haben bundesweit Online-Dating-Portale untersucht und dabei unfaire Praktiken aufgedeckt. Das Team fand laut Mitteilung 187 Portale, die laut ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) auch Fake-Profile einsetzen. mehr...

Softbank-Gründer Masayoshi Son hatte den «Vision»-Fonds aufgesetzt, um in zukunftsträchtige Technologien und Unternehmen zu investieren. Foto: Christopher Jue

:Riesen-Investition für Berliner Gebrauchtwagen-Plattform

Berlin (dpa) Der Gebrauchtwagen-Spezialist Auto1 galt bereits als das zweitteurste Start-up Europas nach Spotify. Eine massive Investition aus Japan zementiert diese Position. mehr...

Screenshot des gehackten Twitteraccounts von Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinbäumer. Foto: dpa

:Twitter-Account von «Spiegel»-Chefredakteur gehackt

Berlin (dpa) Der Twitter-Kanal von «Spiegel»-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer ist in der Nacht gehackt worden. Dies meldete der «Spiegel» per Twitter. Bis etwa 1 Uhr erschien auf Brinkbäumers Account als angehefteter Tweet eine Türkei-Flagge und ein Bild des türkischen Staatspräsidenten Erdogan. mehr...

Intel-Chef Brian Krzanich spricht auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas. Foto: Jae C. Hong

:Welche Themen die Technikmesse CES ausblendet

Las Vegas (dpa) Kurz nach Neujahr blicken Technikbegeisterte nach Las Vegas: Auf der Messe CES werden neuste Trends in der Unterhaltungselektronik und anderen Innovationsfeldern vorgestellt. Doch manche Themen, die eigentlich auf dem Tisch liegen, werden weitgehend ausgeblendet. mehr...

Mediathek

Dreischers Wetter: Stürmisch und ungemütlich

Anzeige
 

Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Service
Michael MacCauley (Liam Neeson) begegnet im Zug der äußerst rätselhaften Joanna (Vera Farmiga). Foto: StudioCanalanhören

Film der Woche:The Commuter

Seit Donnerstag läuft unter anderem der Film "The Commuter". In dem Thriller spielt Liam Nesson einen Versicherungsvertreter, der in eine kriminelle Verschwörung verstrickt wird. mehr...

28. ADAC Supercross Dortmund 2010 (2011-01-06): Pressekonferenz im Vorfeld Veranstaltung 2011: Brock Sellards (#17 Honda-Meyer-Racing-Team). Foto: Jan Bruckeanhören

Endlich Wochenende!:Was ist los in Dortmund?

Supercross in der Westfalenhalle, ein letztes Mal Winterleuchten im Westfalenpark, Comedy, Kabarett und mehr... mehr...

anhören

Food Trends:Das vietnamesische Wundermittel

Hat ein Star-Koch eigentlich auch ein Lieblingsgericht? In dieser Woche hat uns Heiko Antoniewicz in den Food Trends verraten, warum es ihm die vietnamesische Pho Nudelsuppe so angetan hat. mehr...

Tickets
Facebook