Mittwoch, 17. Januar 2018
11. Dezember 2017 um 15:40 Uhr von Von Yuriko Wahl-Immel, dpa

Netzwelt : Unicef: Digitale Welt für Kinder sicherer machen

Köln/New York (dpa) Wie verändern Internet und Computer das Aufwachsen von Kindern weltweit? Das hat Unicef erstmals untersucht. Der Jahresbericht 2017 «Kinder in einer digitalen Welt» beleuchtet Gutes wie Schlechtes.
Schüler arbeiten in Baigai (Kamerun) mit Tablets. Foto: Prinsloo/Unicef

Schüler arbeiten in Baigai (Kamerun) mit Tablets. Foto: Prinsloo/Unicef

Die Digitalisierung birgt für Kinder weltweit neue Chancen, aber auch Gefahren. Mit dem Internet drohten soziale und ökonomische Ungleichheiten sich zu verschärfen, heißt es im Unicef-Jahresbericht 2017 «Kinder in einer digitalen Welt», der in Köln und New York veröffentlicht wurde.

Es bestehe eine digitale Kluft. Das Netz erleichtere beispielsweise sexuellen Missbrauch von Jungen und Mädchen und habe neue Wege des Kinderhandels eröffnet, warnte das UN-Kinderhilfswerk. Politik und Wirtschaft müssten mehr tun, um die «Generation Online» zu schützen und zu stärken.

Jeder dritte Internetnutzer ist heute laut Unicef jünger als 18 Jahre. Zugleich hätten aber geschätzt 29 Prozent der jungen Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren keinen Internetzugang. Das sind rund 346 Millionen Menschen. Vor allem in Afrika und in arabischen Staaten seien viele junge Leute unfreiwillig offline. 

Kinder gehörten ins Zentrum der Digital-Politik, forderte Unicef-Direktor Anthony Lake laut Mitteilung. «In einer digitalen Welt besteht die doppelte Herausforderung, die Gefahren zu vermindern und den Nutzen des Internets für jedes Kind zu vergrößern.» Alle müssten bezahlbaren Zugang zu guten Online-Angeboten erhalten.

Es brauche mehr öffentliche Hotspots, die Kosten für den Internetzugang sollten gesenkt werden. Wichtig sei es, digitale Kompetenzen früh zu fördern. Die Bekämpfung von Missbrauch und Ausbeutung im Netz müsse intensiviert werden.

Besonders für Kinder in entlegenen Regionen oder Heranwachsende, deren Alltag von Armut, Krisen oder Flucht bestimmt ist, könne das Internet «Türen für eine bessere Zukunft öffnen».

Als positive Beispiele nennt der Report den Zugang zu digitalen Büchern und Übungen für Lehrer und Schüler, denen sonst kaum Material zur Verfügung steht - oder digitales Lernen daheim für Mädchen aus Afghanistan, die das Haus nicht verlassen dürfen. Oder Bildung via Handy und Computer für Kinder in Flüchtlingslagern sowie bessere Job-Chancen. Junge Menschen könnten sich übers Netz einfacher Gehör verschaffen und austauschen.

«Zu keiner Zeit war es so leicht, Wissen zu teilen und zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig war es nie so einfach, kinderpornografische oder andere verbotene Foto- oder Videomaterialien herzustellen und zu verbreiten», bilanzierte Unicef. Dazu gehörten auch Live-Streams von sexuellem Missbrauch Minderjähriger. Allein 2016 seien fast 57 350 Internetseiten mit kinderpornografischen Inhalten registriert worden. Gut 90 Prozent der einschlägigen Webseiten waren in Frankreich, Kanada, den Niederlanden, Russland und den USA ansässig.  

Zudem seien Kinder oft mit gewalttätigen und rassistischen Inhalten und mit Hass-Propaganda konfrontiert oder sie könnten potenziell gefährliche Kontakte zu Unbekannten schließen. Die fortschreitende Vernetzung verschlimmere auch Phänomene wie Mobbing. Viele Eltern in Industrieländern fürchteten, dass intensive Internetnutzung ihrer Kinder zu Isolation und Depressionen führen könne.

Wer gar keinen Zugang zum weltweiten Netz habe, drohe allerdings abgehängt zu werden. Die Digitalisierung werde Ungleichheiten verschärfen, wenn nicht gegengesteuert werde. In den Industrieländern nutzten insgesamt 81 Prozent der Menschen das Internet, in den ärmsten Ländern der Erde 15 Prozent. Weit mehr als die Hälfte aller Webseiten ist laut UN-Hilfswerk auf Englisch verfasst, viele Heranwachsende könnten die Inhalte daher nicht verstehen.


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