Freitag, 19. Januar 2018
19. Dezember 2017 um 13:40 Uhr

Netzwelt : Kartellamt sieht missbräuchliche Datensammlung bei Facebook

Bonn (dpa) Nimmt Facebook eine marktbeherrschende Stellung ein? Die Kartellwächter in Deutschland sind davon überzeugt. Sie werfen dem weltgrößten Online-Netzwerk deshalb nun das missbräuchliche Sammeln und Verwerten von Daten aus Drittquellen vor.
Das Bundeskartellamt nimmt seit 2016 mögliche Datenschutzverletzungen von Facebook unter die Lupe. Foto: Arno Burgi

Das Bundeskartellamt nimmt seit 2016 mögliche Datenschutzverletzungen von Facebook unter die Lupe. Foto: Arno Burgi

Das Bundeskartellamt wirft Facebook missbräuchliche Datensammlung vor. Die Behörde moniert in einer vorläufigen Einschätzung vor allem, dass das weltgrößte Online-Netzwerk in Deutschland «unbegrenzt jegliche Art von Nutzerdaten aus Drittquellen sammelt» und mit dem Facebook-Konto zusammenführt.

Zu diesen Quellen gehören etwa der Messengerdienst WhatsApp oder die Videoplattform Instagram, aber auch Websites anderer Betreiber, die auf Facebooks Schnittstellen zugreifen. Nach Einschätzung der Kartellwächter nimmt das US-Unternehmen in Deutschland eine marktbeherrschende Stellung ein. Facebook bestreitet das.

Der vorläufige Bericht des Kartellamts zeichne ein ungenaues Bild von Facebook, entgegnete Managerin Yvonne Cunnane in einer ersten Stellungnahme. «Die Realität ist, dass Facebook keinerlei Anzeichen eines dominanten Unternehmens in Deutschland oder anderswo zeigt.» Popularität sei nicht identisch mit einer dominanten Marktstellung. Cunnane sicherte aber Kooperationsbereitschaft mit der Behörde zu.

«Mit Hilfe von Schnittstellen fließen auch dann Daten an Facebook und werden dort gesammelt und verwertet, wenn man andere Internetseiten besucht», kritisierte Andreas Mundt, Präsident der Behörde einer Mitteilung vom Dienstag zufolge. «Dies geschieht sogar schon, wenn man zum Beispiel einen "Gefällt mir"-Button gar nicht nutzt, aber eine entsprechende Seite aufgerufen hat, in die ein solcher Button eingebettet ist.» Den Nutzern sei das in der Regel nicht bewusst und sie wurden offenbar nicht nach ihrer Einwilligung gefragt. «Das Ausmaß und die Ausgestaltung der Datensammlung verstößt gegen zwingende europäische Datenschutzwertungen», erklärte Mundt.

Facebook müsse zudem als marktbeherrschendes Unternehmen bei seinem Geschäftsmodell berücksichtigen, dass die Nutzer nicht auf andere soziale Netzwerke ausweichen könnten. Die Nutzung setze eine uneingeschränkte Zustimmung zu den Nutzungsbedingungen voraus, die als «Gesamtpaket» zu akzeptieren seien, stellen die Kartellwächter fest.

Facebook kontert, Menschen nutzten derzeit im Schnitt sieben verschiedene Apps oder Dienste zur sozialen Kommunikation - doppelt so viele wie vor fünf Jahren. Und die Hälfte der Internet-Nutzer in Deutschland verwende Facebook überhaupt nicht. In den vergangenen Jahren hatten in Deutschland Facebook-Alternativen wie StudiVZ oder wer-kennt-wen.de steil an Popularität verloren. Wer-kennt-wen schloss 2014.

Besonders die Datensammlung über Drittquellen bei Facebook ist Datenschützern schon seit vielen Jahren ein Dorn im Auge. Vor allem der ehemalige Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, hatte es sich zu Beginn des Jahrzehnts zur Aufgabe gemacht, dagegen vorzugehen - allerdings mit bescheidenem Erfolg. Zuletzt waren allerdings Verbraucherschützer erfolgreich gerichtlich gegen Unternehmen vorgegangen, die einen «Like»-Button von Facebook auf ihre Seiten eingebunden hatten und die Besucher über die Datenweitergabe nicht informierten.

Inzwischen beschäftigt sich auch das Bundeskartellamt mit solcher Art möglicher Verstöße - die Befugnisse der Behörde waren vor rund einem halben Jahr erweitert worden. Seither können die Kartellwächter auch Sektor-Untersuchungen zu möglichen Verbraucherschutz-Verstößen untersuchen. Man arbeite eng mit Datenschutzbehörden hinsichtlich datenschutzrechtlicher Bewertungen zusammen, hieß es.

In dem aktuellen Verwaltungsverfahren nimmt das Bundeskartellamt seit 2016 mögliche Datenschutzverletzungen von Facebook unter die Lupe. Eine Entscheidung wird nicht vor Frühsommer 2018 erwartet.


Das könnte Sie auch interessieren
SPD-Innenpolitiker Burkhard Lischka sieht Deuschland bei Cyber-Angriffen nicht gewappnet. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

:SPD-Innenpolitiker für aktive Abwehr bei Cyber-Angriffen

Berlin (dpa) Deutschland ist nach Einschätzung des SPD-Innenpolitikers Burkhard Lischka gegen Attacken von Cyber-Kriminellen noch «viel zu wenig gewappnet». mehr...

Apple erweitert seine Bildungsinitiative «Jeder kann programmieren». Foto: Michael Kappeler

:Apple dehnt «Jeder kann programmieren» auf Europa aus

Harlow (dpa) Apple dehnt seine Bildungsinitiative «Jeder kann programmieren» auf 16 Länder in Europa aus. mehr...

Glaserfaseranschlüsse in einem Verteilerkasten in Sachsen-Anhalt: Deutschland liegt bei schnellem Internet wie in den Vorjahren im europäischen Mittelfeld. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/Archiv

:Deutschland bei schnellem Internet weiter im EU-Mittelfeld

Wiesbaden (dpa) Deutschland kommt beim Ausbau des schnellen Internets nur schleppend voran und bleibt im EU-Schnitt Mittelmaß. mehr...

Qualcomm hat die EU-Erlaubnis, die Firma NXP zu kaufen. Foto: Britta Pedersen/Archiv

:EU-Wettbewerbshüter: Qualcomm darf NXP kaufen

Brüssel (dpa) Der US-Chiphersteller Qualcomm hat die EU-Erlaubnis für die Übernahme des niederländischen Konkurrenten NXP Semiconductors bekommen. Die Wettbewerbshüter der Brüsseler EU-Kommission stimmten dem geplanten Geschäft zu. mehr...

WhatsApp bringt jetzt die App «WhatsApp Business» heraus. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

:WhatsApp will Firmen Kunden-Kommunikation erleichtern

Mountain View (dpa) Der Kurzmitteilungsdienst WhatsApp will sich stärker als Kanal für die Kommunikation kleiner Firmen mit ihren Kunden etablieren. Die Facebook-Tochter bringt deswegen die neue App «WhatsApp Business» heraus, die zusätzliche Werkzeuge für Unternehmen bereitstellt. mehr...

Mediathek

Dreischers Wetter: Stürmisch und ungemütlich

Anzeige
 

Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Service
Gary Oldman verkörpert glaubhaft den britischen Premierminister Winston Churchill. Foto: Jack English/Universal Pictures Internationalanhören

Neu im Kino:Die Dunkelste Stunde

Ziemliches Mäusekino diese Woche: Es geht um absichtlich und unabsichtlich verkleinerte Menschen. mehr...

Michael MacCauley (Liam Neeson) begegnet im Zug der äußerst rätselhaften Joanna (Vera Farmiga). Foto: StudioCanalanhören

Film der Woche:The Commuter

Seit Donnerstag läuft unter anderem der Film "The Commuter". In dem Thriller spielt Liam Nesson einen Versicherungsvertreter, der in eine kriminelle Verschwörung verstrickt wird. mehr...

28. ADAC Supercross Dortmund 2010 (2011-01-06): Pressekonferenz im Vorfeld Veranstaltung 2011: Brock Sellards (#17 Honda-Meyer-Racing-Team). Foto: Jan Bruckeanhören

Endlich Wochenende!:Was ist los in Dortmund?

Supercross in der Westfalenhalle, ein letztes Mal Winterleuchten im Westfalenpark, Comedy, Kabarett und mehr... mehr...

Tickets
Facebook