Donnerstag, 30. März 2017
11. Januar 2017 um 21:30 Uhr von Von Carola Große-Wilde, dpa

Elbphilharmonie eröffnet: Beethoven, Lichtshow und hoher Besuch

Hamburg (dpa) Hamburg hat ein neues Wahrzeichen: Mit einem Spektakel aus Licht und Musik eröffnet die Hamburger Elbphilharmonie - bereits jetzt ein hochgelobter Star in der Musikwelt. Bundespräsident und Bundeskanzlerin staunen über das Klangwunder.
In Licht getaucht: Die Hamburger Elbphilharmonie. Foto: Markus Scholz

In Licht getaucht: Die Hamburger Elbphilharmonie. Foto: Markus Scholz

Applaus brandet auf, als Chefdirigent Thomas Hengelbrock den Saal betritt, seinen Taktstock hebt und das Eröffnungskonzert mit Benjamin Brittens zauberhaften Oboe-Tönen im Dunkeln beginnt.

Während Bundespräsident und Bundeskanzlerin den Klängen lauschen, illuminiert draußen im Hamburger Hafen zeitgleich eine spektakuläre Lichtshow die Fassade des alten Kaispeichers, auf dem die Elbphilharmonie steht, und setzt die Musik in Farben und Formen um. So können auch Schaulustige an den nahen Landungsbrücken und auf Barkassenbooten auf der Elbe die beeindruckende Eröffnung von Hamburgs neuem Wahrzeichen live verfolgen.

Nach zehn Jahren Bauzeit und immensen Kostensteigerungen ist es am Mittwochabend endlich so weit: Was manch einer schon nicht mehr zu hoffen wagte - die Hamburger Elbphilharmonie, schon jetzt das neue Wahrzeichen der Hansestadt, startet mit einem Konzert des NDR Elbphilharmonie Orchesters durch 400 Jahre Musikgeschichte, von der Renaissance bis zur Gegenwart.

Zu den 2100 Gästen gehören Schauspieler Armin Mueller-Stahl, Ballettchef John Neumeier und Ex-Bundespräsident Christian Wulff und seine Frau Bettina. Aber auch 500 Glückliche, die ein Ticket gewonnen hatten - schließlich soll die «Elphi» ein «Haus für alle» sein.

Es sei nun an den Hamburgern, die hohen Erwartungen zu erfüllen, mahnt Bundespräsident Joachim Gauck und schreibt den Politikern ins Stammbuch, sorgsam mit Steuergeldern umzugehen - ein klarer Seitenhieb wegen der Kostenexplosion bei der Elbphilharmonie. Sie kostete die Steuerzahler am Ende 789 Millionen Euro. Zugleich lobte Gauck aber den wunderbaren Klang und die Architektur des Hauses.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Klassik-Fan und fast immer bei den Bayreuther Festspielen dabei, saß neben ihrem Mann Joachim Sauer im neuen Konzertsaal, der wie die Berliner Philharmonie im Weinberg-Stil gebaut ist - mit einer Bühne in der Mitte, die von aufsteigenden Zuschauerrängen umgeben ist.

Auf dem Programm des Eröffnungskonzerts stehen Werke von Cavalieri, Liebermann, Messiaen, Praetorius, Wagner und eine Uraufführung von Wolfgang Rihm. Am Ende sollte Beethovens Neunte Sinfonie «Freude, schöner Götterfunken» nicht fehlen - auch wenn es dort in einer Zeile heißt: «Seid umschlungen, Millionen!» - was angesichts der immensen Kostensteigerungen falsch verstanden werden könnte.

Schon jetzt wird die Elbphilharmonie als «Architekturwunder» und «Jahrhundertbau» gepriesen. Auch die Besucher aus aller Welt sind begeistert: Bis Januar haben bereits 500 000 Menschen die öffentliche Plaza in 37 Metern Höhe besucht und die Aussicht über die Stadt und den Hafen genossen. Und Karten für die Eröffnungssaison bis Anfang Juli gibt es schon lange nicht mehr.

Sollte sich die Prophezeiung von Hamburgs Generalmusikdirektor Kent Nagano bestätigen, der glaubt, die Elbphilharmonie werde «der beste Saal der Welt werden», stehen Hamburg und die klassische Musik vor einer glänzenden Zukunft.


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