Dienstag, 26. September 2017
17. Juli 2017 um 17:00 Uhr von Von Jan Kuhlmann, dpa

Top-Themen : Bericht: Emirate für Hackerangriff auf Katar verantwortlich

Washington (dpa) Seit sechs Wochen blockieren Katars Kontrahenten das Emirat. Sie werfen dem kleinen Staat am Golf Unterstützung von Terrorgruppen vor. Wurde die Kampagne gegen Katar von den Emiraten orchestriert?
Im Nebel stehen die Hochhäuser der Skyline von Doha, Katar. Foto: Yoan Valat/Illustration

Im Nebel stehen die Hochhäuser der Skyline von Doha, Katar. Foto: Yoan Valat/Illustration

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) stecken nach einem Medienbericht hinter dem Cyberangriff auf Katar, der maßgeblich zur schweren Krise unter den Golfstaaten beigetragen hat.

US-Geheimdienste hätten bestätigt, dass hochrangige VAE-Regierungsmitglieder am 23. Mai den Plan und dessen Umsetzung diskutiert hätten, meldete die «Washington Post». Die VAE wiesen den Bericht umgehend als falsch zurück.

Auf der Internetseite der staatlichen katarischen Nachrichtenagentur QNA war am Abend des 23. Mai ein Artikel über eine angebliche Rede von Emir Tamim bin Hamad Al-Thani erschienen. In der mutmaßlichen Falschmeldung hieß es, Scheich Tamim habe die arabischen Nachbarn kritisiert, hingegen den Iran und auch die radikal-islamische Palästinenserorganisation Hamas gelobt. Katar erklärte später, Hacker hätten einen gefälschten Bericht auf die QNA-Seite gestellt.

Tamims angebliche Äußerungen lösten damals bei Katars arabischen Nachbarn große Empörung aus. Saudi-Arabien, die VAE, Bahrain und Ägypten brachen Anfang Juni alle diplomatischen Kontakte zu dem Golf-Emirat ab und schlossen die Grenzen. Sie werfen Katar die Unterstützung von Terrororganisationen und zu enge Verbindungen zum Iran vor. Die vier Staaten verlangen unter anderem, dass das Emirat seinen populären TV-Nachrichtenkanal Al-Dschasira schließt.

Die «Washington Post» beruft sich in ihrem Bericht auf US-Geheimdienstkreise. Es bleibe jedoch unklar, ob die Emirate den Hackerangriff auf Katar selbst ausgeführt oder ihn in Auftrag gegeben hätten. Ende Juni hatte auch Katars Generalstaatsanwalt erklärt, der Hackerangriff sei von einem der vier Blockade-Staaten aus verübt worden. Einzelheiten nannte er jedoch nicht.

Die VAE-Botschaft in den USA erklärte über Twitter, das Land spiele bei dem in dem Artikel beschriebenen mutmaßlichen Hackerangriff keine Rolle. Wahr sei vielmehr, dass Katar Extremisten von den afghanischen Taliban bis hin zur Hamas finanziere und unterstütze.

Die Meldung der «Washington Post» gibt Spekulationen neue Nahrung, bei den Maßnahmen gegen Katar handele es sich um eine geplante Kampagne. Die katarische Regierung hat die Vorwürfe mehrfach zurückgewiesen und von erfundenen Beschuldigungen gesprochen, mit denen das Land unter Druck gesetzt werden solle. Sie erklärte am Montag, der «verbrecherische Hackerangriff» verstoße gegen internationales Recht, wie Al-Dschasira meldete.

Die VAE, die wirtschaftlich eng mit Katar verbunden sind, gehören neben Saudi-Arabien zu den schärfsten Kritikern des benachbarten Golfstaates. Der emiratische Kronprinz Mohammed bin Said Al Nahjan gilt zusammen mit dem saudischen Thronfolger Mohammed bin Salman als treibende Kraft des Boykotts gegen Katar.

Die Emirate werfen Katar vor allem vor, radikale Gruppen zu unterstützen. So stört sich die Regierung der VAE etwa daran, dass die islamistischen Muslimbrüder in Programmen von Al-Dschasira regelmäßig zu Wort kommen. Die VAE haben die Gruppierung als Terrororganisation eingestuft und verfolgen sie.

Anfang Juni hatte der Sender CNN berichtet, Russen hätten möglicherweise die staatliche Nachrichtenagentur von Katar gehackt und mit einer Falschmeldung zur diplomatischen Krise unter den Golfstaaten beigetragen. Das Ziel Russlands sei es offensichtlich, einen Keil zwischen die USA und ihre Verbündeten zu treiben.

Bislang sind alle diplomatischen Bemühungen um eine Entspannung der Krise am Golf erfolglos geblieben. Auch US-Außenminister Rex Tillerson konnte die verhärteten Fronten in der vergangenen Woche bei einer Reise an den Golf nicht aufweichen.


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