Mittwoch, 22. November 2017
14. November 2017 um 20:50 Uhr von Von Burkhard Fraune und Thomas Kaufner, dpa

Wirtschaft : Führungskrise im Sparkassenverband steuert auf Lösung zu

Berlin/Hannover (dpa) Seine verspäteten Steuererklärungen und der interne Umgang damit bringen den Sparkassen-Präsidenten in Bedrängnis. Es gibt ein Krisentreffen - dort werden erste Schritte für einen Wechsel an der Spitze des Sparkassen-Verbandes besprochen.
Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon strebt trotz der Steueraffäre seine Wiederwahl an. Foto: Soeren Stache

Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon strebt trotz der Steueraffäre seine Wiederwahl an. Foto: Soeren Stache

Die Führungskrise bei den deutschen Sparkassen steuert auf eine Lösung zu.

Nach Informationen der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» soll der wegen einer Steueraffäre umstrittene Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon seinen Posten bis zum Ende der Amtszeit im Mai 2018 ruhen lassen.

Zugleich hätten sich die regionalen Sparkassenverbände bei einem Treffen am Dienstag in Hannover darauf geeinigt, dass bis dahin der Vizepräsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Thomas Mang aus Niedersachsen, Fahrenschons Aufgaben übernehmen soll. Wie es danach weitergehen soll, bleibe offen, berichtet die Zeitung weiter. Vom DSGV war am Dienstagabend keine Stellungnahme mehr zu erhalten.

Derweil berichtete das «Handelsblatt», derzeit liefen «vernünftige Gespräche» über einen Amtswechsel. Verhandelt werde derzeit noch über die Modalitäten eines Rückzugs Fahrenschon, der nicht abrupt erfolgen solle. Fahrenschon habe nach der vernichtenden Kritik an seinen verspätet eingereichten Steuererklärungen eingesehen, dass er den Verband nicht länger führen könne, heißt es laut «Handelsblatt» in Sparkassenkreisen. Fahrenschon selbst war am Dienstagabend nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die regionalen Sparkassenspitzen hatten in Hannover über Konsequenzen aus der Steueraffäre Fahrenschons beraten. Ergebnisse wurden nach der Sitzung offiziell nicht bekannt. Der Sparkassenverband Niedersachsen und andere Untergliederungen wollten sich nicht äußern. Eingeladen zu dem Treffen hatte Fahrenschons Stellvertreter Mang, der auch niedersächsischer Sparkassenpräsident ist.

Ein formeller Beschluss war in Hannover nicht geplant. Der DSGV in Berlin verwies auf die Beschlusslage der Gremien von vergangener Woche. Da war die für vergangenen Mittwoch geplante Wiederwahl Fahrenschons verschoben worden, um den Ausgang des gerichtlichen Verfahrens abzuwarten.

Der 49-Jährige, der den Deutschen Sparkassen- und Giroverband seit 2012 führt, war kurz vor seiner geplanten Wiederwahl am Freitag vergangener Woche unter Druck geraten. Es wurde bekannt, dass der frühere CSU-Politiker und einstige bayerische Finanzminister Steuererklärungen zu spät eingereicht hatte und dass das Münchner Amtsgericht einen Strafbefehl wegen Steuerhinterziehung erlassen hat.

In Sparkassenkreisen war von enormem Druck und Vertrauensbruch die Rede. Außer der mutmaßlichen Steuerhinterziehung wird Fahrenschon vor allem angekreidet, den Strafbefehl gegen seine Person monatelang verheimlicht zu haben.

Gewählt wird der Sparkassenpräsident für sechs Jahre von der Mitgliederversammlung des Verbands. Eine Wahl gegen die regionalen Verbandschefs gilt als ausgeschlossen.

Fahrenschon hatte eingeräumt, seine Steuererklärungen für 2012 bis 2014 erst im vergangenen Jahr beim Finanzamt abgegeben zu haben. Er bestreitet aber eine vorsätzliche Straftat und hat Widerspruch eingelegt. Seine Steuern zahlte er im Jahr 2016.

Der Sparkassen- und Giroverband zählt zu den wichtigen Lobbyorganisation der Finanzbranche in Deutschland. Er vertritt rund 400 Sparkassen, sieben Landesbanken, die Dekabank, acht Landesbausparkassen und elf Versicherer der Sparkassen. Zu Fahrenschons Vorgängern im Amt des Verbandspräsidenten zählt der spätere Bundespräsident Horst Köhler.


Das könnte Sie auch interessieren
Blick auf das Siemens-Werk in der Huttenstraße in Berlin. Foto: Jörg Carstensen

:Wirtschaftsminister laden Siemens-Vorstand zu Gespräch

Berlin (dpa) Die Wirtschaftsminister aus Sachsen, Thüringen und Brandenburg und die Wirtschaftssenatorin aus Berlin haben den Siemens-Vorstand zu einem Gespräch über den geplanten Stellenabbau nach Berlin eingeladen. mehr...

Beschäftigte der insolventen Air Berlin demonstrieren auf dem Washingtonplatz in Berlin. Foto: Silas Stein

:Air-Berlin-Beschäftigte fordern Übernahme

Berlin (dpa) Mehrere hundert Beschäftigte von Air Berlin haben in Berlin eine Übernahme durch die Käufer der insolventen Airline gefordert. mehr...

Logos des indischen Konzerns Tata. Foto:

:Könnte Stahlfusion von Thyssenkrupp mit Tata noch platzen?

Essen (dpa) Bei den Verhandlungen mit den Arbeitnehmern über die geplante Thyssenkrupp-Stahlfusion mit Tata ist offenbar noch keine Einigung in Sicht. Während der Vorstand am Donnerstag die Bilanz vorlegt, wollen mehrere tausend Stahlkocher in Andernach protestieren. mehr...

Frank-Walter Steinmeier spricht mit Martin Schulz. Foto: Stephanie Pilick/Archiv

:Wirtschaft: Alle Parteien bei Regierungsbildung gefordert

Berlin (dpa) Die deutsche Wirtschaft mahnt die rasche Bildung einer stabilen Regierung an - und sieht jetzt nicht nur Union, FDP und Grüne am Zug. mehr...

Ein Passagierflugzeug der Condor beim Start: Foto: Patrick Pleul/Illustration

:Thomas Cook profitiert von starker Nachfrage bei Condor

London (dpa) Europas zweitgrößter Touristikkonzern Thomas Cook profitiert von einer starken Reisenachfrage und der Rückkehr des deutschen Ferienfliegers Condor in die Gewinnzone. mehr...

Mediathek

Dreischers Wetter: Es wird noch mal warm

Anzeige
Service
Ezra Miller (als The Flash, l-r), Ben Affleck als Batman und Gal Gadot (Wonder Woman). Foto: Warner Bros.anhören

Film der Woche:„Justice League“

Lange mussten die Fans warten. Aber jetzt ist er da, der Film, in dem alle Superhelden aus dem DC-Universum gemeinsame Sache machen. Also Superman, Batman, Wonder-Women, Aquaman und The Flash. mehr...

J.K. Simmons (l-r) als Commissioner Gordon, Gal Gadot als Wonder Woman, Ray Fisher als Cyborg, Ben Affleck als Batman und Ezra Miller als Flash. Foto: Warner Bros.anhören

Filmstarts der Woche:Was kommt neu in die Kinos?

Diese Woche im Kino: Eine komplizierte Liebe, ein Vater, der sich beweisen will - und ein paar Superhelden, die die Welt retten wollen. mehr...

Foto: Hubert Linkanhören

Food-Trends:Gibt viel mehr als Fischstäbchen

Was schwimmt da nicht alles im Meer rum? Und trotzdem landen am Ende oft nur Fischstäbchen und Seelachs auf unseren Tellern. Warum eigentlich? Das haben wir mit unserem Food-Experten Heiko Antoniewicz besprochen. mehr...

Tickets
Facebook