Mittwoch, 17. Januar 2018
31. Dezember 2017 um 08:10 Uhr

Wirtschaft : Niedrigzinsphase belastet Bausparkassen

Berlin (dpa) Bausparen kennen viele Deutsche schon von Kindesbeinen an, etwa wenn die Oma dem Enkel einen Sparvertrag schenkt und die ersten Zahlungen übernimmt. Das Interesse an Bausparverträgen ist zwar noch immer da, dennoch durchlebt diese klassische deutsche Bankbranche harte Zeiten.
Wegen des EZB-Kurses liegen Guthabenzinsen in Bankprodukten derzeit nahe null Prozent, dies gilt auch für Bausparverträge. Foto: Armin Weigel

Wegen des EZB-Kurses liegen Guthabenzinsen in Bankprodukten derzeit nahe null Prozent, dies gilt auch für Bausparverträge. Foto: Armin Weigel

Die Niedrigzinsphase macht den Bausparkassen weiter zu schaffen. Beim Bauspar-Neugeschäft sei 2017 das Vorjahresergebnis nach vorläufigen Zahlen nicht ganz erreicht worden, teilte der Verband Privater Bausparkassen mit.

Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) wirke «wie eine Motivationsbremse für langfristig angelegtes Sparen». Wegen des EZB-Kurses liegen Guthabenzinsen in Bankprodukten derzeit nahe null Prozent, dies gilt auch für Bausparverträge. Die Landesbausparkassen (LBS) sehen die Zinssituation ebenfalls kritisch. So monierte die LBS Südwest, das Betriebsergebnis werde wegen der EZB «massiv belastet».

Die ganze Branche ist unter Druck: Recht hoch verzinste Altverträge vermiesen gute Geschäfte, zumal die Kunden im Rahmen dieser Verträge keine Darlehen abrufen - weil der vor langem festgelegte Kreditzins für sie hoch und damit unattraktiv ist. Das hemmt den Geldkreislauf im Geschäftsmodell Bausparen, bei dem die Kunden zunächst Geld als Guthaben geben, sich dann aber Geld als Kredit leihen sollen.

In Deutschland gibt es 20 Bausparkassen. Zum Verband Privater Kassen gehören Branchenprimus Schwäbisch Hall, Wüstenrot und BHW sowie kleinere Institute wie die Aachener Bausparkasse. Hinzu kommen die Landesbausparkassen, von denen die LBS Südwest die größte ist. Diese LBS vermeldet für das Bausparen 2017 ein Neugeschäft auf Vorjahresniveau, Wüstenrot spricht immerhin von einem kleinen Plus.

Wie geht es weiter - kommt eine Zinswende in Sicht und damit auch eine bessere Zeit? Darauf hoffen die Banker. So rechnet Wüstenrot-Chef Bernd Hertweck für 2018 mit einem leichten Zinsanstieg am Finanzmarkt, der sich 2019 verstärken könnte. Dies werde Auswirkungen für seine Branche haben. «Den Kunden wird bewusst, dass die Zinsen wieder steigen könnten», so Hertweck. Er gehe davon aus, dass 2018 mehr Kunden einen Bausparvertrag abschließen, um sich den aktuell noch niedrigen Darlehenszinssatz zu sichern.

Die Hoffnung auf höhere Zinsen am Finanzmarkt trägt die ganze Branche. So heißt es vom Verband Privater Bausparkassen: «In dem Moment, in dem die Zinswende nach oben auf breiterer Front wieder spürbar wird, dürfte das Zinsabsicherungsargument an Bedeutung wieder deutlich gewinnen und sich dann auch im Neugeschäft niederschlagen.»

Während es beim Bauspar-Neugeschäft im abgelaufenen Jahr also mäßig aussah, verbuchte die Branche kräftiges Wachstum in einem für die Kassen neuen Geschäftszweig: der Baufinanzierung. Diese Kreditvergabe ist den Kassen erst seit zwei Jahren im großen Stil möglich, damals sprang der Gesetzgeber der angeschlagenen Branche bei und erweiterte ihr Geschäftsfeld.

Hier läuft es gut: Schwäbisch Hall übertraf eigene Erwartungen, die LBS Südwest sprach von einer deutlichen Steigerung - beide Institute nannten keine Zahlen. Wüstenrot berichtet für 2017 von einem Zuwachs im Baufinanzierungs-Neugeschäft in Höhe von etwa fünf Prozent. Grund: Kunden brauchen Geld für Investitionen in Immobilien.

Doch auch hier gibt es Sorgen. Denn durch den Bauboom und steigende Immobilienpreise erhöht sich zwar die Nachfrage nach Krediten. Aber: «Für uns ist das eher Fluch als Segen», sagt der Wüstenrot-Chef. Denn wegen der Niedrigzinsphase fließe immer mehr Kapital in Immobilien, dadurch wiederum würden viele Häuser und Wohnungen für junge Familien unbezahlbar. Solche jungen Familien seien aber nun mal das Stammklientel der Bausparkassen - auf lange Sicht sei das in vielerlei Hinsicht eine kritische Entwicklung, sagte Hertweck.

Der Banker appellierte an die Politik, auf der Kostenseite endlich für Entlastung zu Sorgen. Hilfreich wäre es zum Beispiel, wenn Ersterwerber von Immobilien - also häufig junge Familien - keine Grunderwerbsteuer zahlen müssten. «Die Hürden, um an dem Wohneigentumsboom teilzuhaben, sind viel zu hoch - man kommt gar nicht in den Genuss von eigenen vier Wänden, weil man das aufgrund der gestiegenen Kosten und Preise nicht schafft.»


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