Sonntag, 21. Januar 2018
03. Januar 2018 um 13:50 Uhr

Verkauf in Gefahr: Beschwerde gegen Niki-Insolvenzverfahren

Berlin/Wien (dpa) Ein Fluggastrechte-Portal beschwert sich über das in Berlin angesiedelte Niki-Insolvenzverfahren. Damit gerät nach Aussage des Insolvenzverwalters der Verkauf der Air-Berlin-Tochter in Gefahr.
Ein Flugzeug der insolventen Fluglinie Niki steht auf dem Flughafen Schwechat bei Wien neben einer Maschine der insolventen Niki-Mutter Air Berlin. Foto: Georg Hochmuth/Archiv

Ein Flugzeug der insolventen Fluglinie Niki steht auf dem Flughafen Schwechat bei Wien neben einer Maschine der insolventen Niki-Mutter Air Berlin. Foto: Georg Hochmuth/Archiv

Die Beschwerde eines Fluggastportals bei Gericht könnte die Verkaufsvereinbarung für die insolvente Air-Berlin-Tochter Niki wieder in Frage stellen. Das ist zumindest die Einschätzung des vorläufigen Niki-Insolvenzverwalters Lucas Flöther.

Das Internet-Portal Fairplane hatte zuvor die Zuständigkeit des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg beim Insolvenzverfahren für Niki angezweifelt. Es legte beim Gericht Beschwerde gegen die Eröffnung des Verfahrens in Deutschland ein.

Das Amtsgericht will am Donnerstag darüber entscheiden. Es teilte am Mittwoch mit, die Beschwerde habe «keine aufschiebende Wirkung». Der Beschluss des Gerichts zur Annahme des Insolvenzverfahrens in Berlin vom 13. Dezember gelte, solange er nicht unanfechtbar aufgehoben werden sollte. Das Amtsgericht kann seinen eigenen Beschluss aufheben oder die Beschwerde dem Landgericht Berlin vorlegen.

Fairplane sieht einen Interessenskonflikt, wenn die Insolvenzverfahren für Air Berlin und Niki in einer Hand liegen, sagte Fairplane-Sprecher Ronald Schmid am Mittwoch. Zudem könnten mit einer Durchführung in Österreich die Ansprüche Tausender geschädigter Passagiere besser durchgesetzt werden.

Das bestritt Flöther. Tatsache sei, dass «sämtliche Flüge von Niki über Air Berlin gebucht» worden seien. Etwaige Forderungen von Niki-Fluggästen müssten deshalb bei Air Berlin angemeldet werden - «also in Deutschland beim Insolvenzverwalter eines deutschen Unternehmens», stellte Flöthers Sprecher Christoph Möller klar. «Es ist also für die Gläubiger völlig unerheblich, wo das Niki-Verfahren stattfindet.»

Flöthers Sprecher warnte, sollte die Beschwerde beim Amtsgericht Charlottenburg Erfolg haben, könnte der Verkauf von Niki an die British-Airways-Mutter IAG hinfällig werden. Damit fielen auch die Zahlungen von IAG weg, die Niki zur Aufrechterhaltung des Flugbetriebs brauche. Start- und Landerechte könnten verloren gehen. «Dann gibt es nichts mehr zu verkaufen.»

Der zu IAG gehörende spanische Billigflieger Vueling will wesentliche Teile von Niki für 20 Millionen Euro übernehmen. Dem müssen die europäischen Wettbewerbshüter noch zustimmen. Für die Zeit bis zum Vollzug der Übernahme stellt IAG zudem bis zu 16,5 Millionen Euro bereit, um Niki in der Luft zu halten.

Fairplane-Sprecher Ronald Schmid sagte, man habe parallel zur Beschwerde in Berlin Insolvenzantrag beim österreichischen Landesgericht Korneuburg gestellt. Ein Gerichtssprecher dort sagte am Mittwoch: «Vor nächster Woche gibt es keine Entscheidung zum Insolvenzantrag.»

Derweil geht ein kleiner Teil der insolventen Air Berlin nun doch an den Touristikkonzern Thomas Cook. Die Briten übernehmen das Tochterunternehmen Air Berlin Aviation GmbH, wie Air Berlin am Mittwoch mitteilte. Die Gesellschaft befindet sich noch in Gründung und besitzt bislang keine eigenen Flugzeuge. Sie soll aber in Kürze eine Genehmigung für den Flugbetrieb (AOC) erhalten und sechs Flugzeuge an den Start bringen, die bereits im Sommerflugplan für die deutsche Thomas-Cook-Airline Condor unterwegs sein sollen.

Thomas Cook überweist nach Angaben eines Insiders einen mittleren einstelligen Millionenbetrag. Zuvor hatten Lufthansa, Easyjet, IAG sowie die Bietergemeinschaft Nayak/Zeitfracht Teile von Air Berlin übernommen.


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