Donnerstag, 18. Januar 2018
16. August 2017 um 13:50 Uhr

Homo- oder Hetero-Eltern?: Für Kinder-Identitätsgefühl egal

Lexington (dpa) Gleichgeschlechtliche Paare dürfen in Deutschland künftig gemeinsam Kinder adoptieren. Eine US-Studie belegt nun: Die sexuelle Identität des Nachwuchses wird nicht davon beeinflusst, ob er von herkömmlichen oder gleichgeschlechtlichen Paaren betreut wird.
Ein lesbisches Paar geht in Bremen mit seinem Sohn spazieren. Foto: Carmen Jaspersen/Archiv

Ein lesbisches Paar geht in Bremen mit seinem Sohn spazieren. Foto: Carmen Jaspersen/Archiv

Mama und Papa, Mama und Mami oder Papa und Papi - auf das Identitätsgefühl von Kindern hat die Familienform einer Studie zufolge keinen Einfluss.

Die Analyse von Spielvorlieben weise darauf hin, dass es für die empfundene Geschlechtszugehörigkeit egal ist, ob ein Kind bei klassischen Eltern oder einem Männer- oder Frauenpaar aufwächst, berichten Forscher im Fachjournal «Sex Roles».

Die Wissenschaftler um Rachel Farr von der University of Kentucky hatten in zwei Stufen das Spielverhalten und die Entwicklung adoptierter Kinder aus insgesamt 106 amerikanischen Familien mit lesbischen, schwulen oder heterosexuellen Elternpaaren untersucht. Verglichen wurde unter anderem, was und mit welchem Spielzeug die als Kleinkind adoptierten Kinder im Vorschulalter gerne spielten und wie genderkonform ihr Verhalten fünf Jahre später war.

Bei der Vorschulalter-Analyse wurde den Kindern zur Auswahl traditionell jungen- und mädchentypisches sowie neutrales Spielzeug angeboten. Zudem wurden die Eltern in einem standardisierten Verfahren zu den Spielvorlieben der Kinder befragt - etwa, ob sie raue oder ruhige Spiele bevorzugten. Im zweiten Studienabschnitt wurden die dann etwa achtjährigen Kinder mit einem Standardtest zu ihren Spielvorlieben befragt. Viele hatten zu diesem Zeitpunkt bereits gleichfalls adoptierte Geschwister.

Die Auswertung zeigte, dass es in allen Familienformen ähnlich viele Kinder gab, die sich entweder genderkonform oder aber non-konform verhielten - und dieses Verhalten recht konstant über die Jahre hinweg beibehielten. «Die sexuelle Orientierung der Eltern und der Familientyp hatte darauf keinen signifikanten Einfluss», sagte Farr. Es zeigte sich lediglich überall eine leichte alterstypische Hinwendung zu mehr genderkonformem Verhalten im Schulalter.

«Es scheint, dass ein männliches und ein weibliches Rollenvorbild zuhause weder notwendig sind, um eine typische Genderentwicklung bei Adoptivkindern zu unterstützen, noch um sie von Gender-Nonkonformität abzuhalten», so das Fazit von Farr.

In Deutschland können gleichgeschlechtliche Paare nach der Entscheidung für eine «Ehe für alle» künftig gemeinsam Kinder adoptieren. Bisher durfte dies zunächst nur ein Elternteil tun. Eine Studie der Universität Bamberg zu Kindern in Regenbogenfamilien zeigte, dass sich der Nachwuchs mit Blick auf die Beziehungsqualität zu den Eltern und der psychischen Anpassung kaum von den Sprösslingen traditioneller Familien unterscheidet.

«Die vorhandenen Unterschiede weisen sogar auf Vorteile von Kindern und Jugendlichen aus gleichgeschlechtlichen Partnerschaften hin», erklärte Fabienne Hornfeck vom Deutschen Jugendinstitut in München. Sie hätten ein höheres Selbstwertgefühl und mehr Autonomie in der Beziehung zu ihren Eltern.

Auch andere internationale Studien hätten gezeigt, dass sich Kinder mit gleichgeschlechtlichen Eltern mindestens ebenso gut entwickelten wie solche mit Hetero-Eltern. Eine Studie zu fremdadoptierten Kindern wies darauf hin, dass Homo-Paare sogar besondere Elternkompetenzen zeigen würden. Insgesamt bilanzieren die Adoptionsexperten des Deutschen Jugendinstituts: «Die Familienform ist weniger entscheidend als die Art und Weise, wie Familie gelebt wird.»

Belastbare Zahlen, wie viele Adoptiv- oder Pflegekinder in Deutschland in Regenbogenfamilien leben, gibt es bislang nicht. Im September will das Deutsche Jugendinstitut erstmals Daten dazu veröffentlichen. Insgesamt ging die Zahl von Adoptionen hierzulande von 5072 (2004) auf 3818 (2015) zurück - weil etwas weniger Kinder zur Adoption freigegeben werden, vor allem aber, weil sich mehr Menschen ihren Kinderwunsch durch Fruchtbarkeitsbehandlungen oder Samenspenden erfüllen.


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