Donnerstag, 18. Januar 2018
03. Januar 2018 um 18:00 Uhr

Wissen : Staub statt Aliens lässt seltsamen Stern flackern

Evanston/Baton Rouge (dpa) Ein ungewöhnlich flackernder Stern gibt Astronomen seit Langem Rätsel auf. Nun sind sie der Ursache des Phänomens ein Stück näher gekommen.
Diese Illustration der Nasa zeigt den Stern mit der Katalognummer KIC 8462852, der auch Tabbys Stern genannt wird. Foto: NASA/JPL-Caltech

Diese Illustration der Nasa zeigt den Stern mit der Katalognummer KIC 8462852, der auch Tabbys Stern genannt wird. Foto: NASA/JPL-Caltech

Der «seltsamste Stern der Milchstraße» ist wohl doch nicht die Heimat einer fortgeschrittenen außerirdischen Zivilisation. Stattdessen ist vermutlich Staub für das rätselhafte Flackern dieser Sonne im Sternbild Schwan verantwortlich.

Das berichtet ein großes Forscherteam um Tabetha Boyajian von der Louisiana State University in Baton Rouge (USA) im Fachblatt «The Astrophysical Journal Letters».

Die Helligkeit von Tabbys Stern, wie er nach seiner Entdeckerin Tabetha Boyajian getauft wurde, schwankt in unregelmäßigen Abständen um bis zu 22 Prozent. Das ist extrem ungewöhnlich für eine Sonne dieses Typs. Der seltsame Stern mit der Katalognummer KIC 8462852 ist nur knapp 50 Prozent größer und massereicher als unsere Sonne und sollte nach den etablierten Sternmodellen weitgehend gleichmäßig leuchten.

Astronomen haben zahlreiche Erklärungsansätze für das unerwartete Verhalten des Sterns vorgeschlagen: So könnte er Planeten besitzen, die gelegentlich vor dem Stern vorbeiziehen und ihn dabei teilweise abdecken. Allerdings verdunkeln selbst Riesenplaneten wie der Jupiter in unserem System ihre Sterne typischerweise nur um etwa zwei Prozent. Eine andere Möglichkeit sind große Mengen Kometentrümmer oder eine große, unregelmäßige Scheibe aus Staub, die den Stern umgeben könnte. Solcher Staub sollte sich allerdings erwärmen und so über zusätzliche Infrarotstrahlung bemerkbar machen, die bislang nicht beobachtet werden konnte. Dies ist jedoch auch schwer messbar.

Der spektakulärste Erklärungsversuch schlägt vor, dass eine technologisch fortgeschrittene Zivilisation um den Stern eine sogenannte Dyson-Sphäre gebaut hat, um ihren Energiebedarf zu decken. Der US-Theoretiker Freeman Dyson hatte in den 1960er Jahren spekuliert, solche Zivilisationen könnten eine gigantische gitterartige Schale um ihren jeweilige Stern konstruieren, um damit möglichst viel Strahlungsenergie zu ernten. Konkrete Hinweise auf eine außerirdische Zivilisation gibt es bei Tabbys Stern allerdings nicht.

Das Rätsel um Tabbys Stern ist so fesselnd, dass rund 1700 Unterstützer mehr als 100.000 US-Dollar (etwa 83.000 Euro) gespendet haben, um weitere Beobachtungen zu ermöglichen. Die jüngsten Analysen des Teams um Boyajian schließen eine künstliche «Megastruktur» wie eine Dyson-Sphäre nun nahezu aus. Stattdessen deuten die Daten auf extrem feinen Staub mit typischer Korngröße von deutlich weniger als einem tausendstel Millimeter hin, wie die Forscher schreiben. Solcher Staub schluckt Licht verschiedener Farben unterschiedlich stark.

«Staub ist höchstwahrscheinlich der Grund, warum das Licht des Sterns heller und dunkler wird», erläutert Boyajian in einer Mitteilung ihrer Universität. «Die neuen Daten zeigen, dass verschiedene Lichtfarben mit unterschiedlicher Intensität blockiert werden. Was immer zwischen uns und dem Stern vorbeizieht ist daher nicht undurchsichtig, wie man es von einem Planeten oder einer außerirdischen Megastruktur erwarten würde.» Ob der vermutete Staub in Form einer Scheibe oder anders angeordnet ist, wissen die Forscher nicht. Das Rätsel sei insgesamt noch nicht gelöst, betonen die Autoren der Analyse.


Das könnte Sie auch interessieren
Die japanische Trägerrakete Epsilon-3 startet vom Uchinoura Space Center in Kimotsuki. Foto: Kyodo

:Japanische Trägerrakete Epsilon-3 bringt Satelliten ins All

Kagoshima (dpa) Japan will im globalen Raketengeschäft kräftig mitmischen. Zum Beweis seiner Wettbewerbsfähigkeit brachte die Hightechnation erneut erfolgreich einen kleinen Satelliten mit einer selbstentwickelten Trägerrakete ins All. Sie ist klein, intelligent und kostengünstig. mehr...

Esa-Chef Jan Wörner spricht im Konferenzraum der Europäischen Raumfahrtagentur Esa. Foto: Uwe Anspach/Archiv

:Esa-Vision: Astronauten auf Raumflügen jenseits der ISS

Paris (dpa) Der Deutsche Alexander Gerst fliegt in diesem Jahr zum zweiten Mal zur Raumstation ISS. Für die Zukunft hofft Europas Raumfahrtagentur für ihre Astronauten auch auf Flüge, die weiter weg von der Erde führen. mehr...

Der weltweit einzige bekannte lebende weiße Orang Utan, das Weibchen «Alba» in der Rettungsstation Nyaru Menteng auf der Insel Borneo. Foto: Christoph Sator

:Weißer Orang-Utan darf zurück in die Freiheit

Nyaru Menteng (dpa) Der weltweit einzige bekannte weiße Orang-Utan, ein Weibchen namens Alba, darf zurück in die Freiheit. Das etwa sechs Jahre alte Tier - ein Albino - ist nach seiner Entdeckung im vergangenen Jahr inzwischen so gesund, dass es wieder im Dschungel seiner Heimatinsel Borneo ausgesetzt werden kann. mehr...

Der stark übergewichtige Igel aus dem Safari-Zoo bei Tel Aviv wird gewogen. Foto: igal Horowitz/Safari-Zoo Ramat Gan

:Dicker Igel schafft schlankeren Start ins Jahr 2018

Tel Aviv (dpa) Ein stark übergewichtiger Igel, der in einem israelischen Zoo auf Diät gesetzt werden musste, hat einen schlankeren Start ins neue Jahr geschafft. mehr...

Der gesunkene Öltanker «Sanchi» hatte 136.000 Tonnen Ölkondensat geladen und 1.000 Tonnen giftiges Schweröl als Treibstoff an Bord. Foto: Korea Coast Guard

:Ölteppiche breiten sich nach «Sanchi»-Untergang im Meer aus

Peking (dpa) Nach dem Untergang des Tankers «Sanchi» im Ostchinesischen Meer breiten sich mehrere Ölteppiche aus. mehr...

Mediathek

Dreischers Wetter: Stürmisch und ungemütlich

Anzeige
 

Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Service
Michael MacCauley (Liam Neeson) begegnet im Zug der äußerst rätselhaften Joanna (Vera Farmiga). Foto: StudioCanalanhören

Film der Woche:The Commuter

Seit Donnerstag läuft unter anderem der Film "The Commuter". In dem Thriller spielt Liam Nesson einen Versicherungsvertreter, der in eine kriminelle Verschwörung verstrickt wird. mehr...

28. ADAC Supercross Dortmund 2010 (2011-01-06): Pressekonferenz im Vorfeld Veranstaltung 2011: Brock Sellards (#17 Honda-Meyer-Racing-Team). Foto: Jan Bruckeanhören

Endlich Wochenende!:Was ist los in Dortmund?

Supercross in der Westfalenhalle, ein letztes Mal Winterleuchten im Westfalenpark, Comedy, Kabarett und mehr... mehr...

anhören

Food Trends:Das vietnamesische Wundermittel

Hat ein Star-Koch eigentlich auch ein Lieblingsgericht? In dieser Woche hat uns Heiko Antoniewicz in den Food Trends verraten, warum es ihm die vietnamesische Pho Nudelsuppe so angetan hat. mehr...

Tickets
Facebook