Sonntag, 22. April 2018
28. Januar 2013 um 17:34 Uhr

Wissen : EU-Spitzenforschung zu Gehirnmodell und Plastikersatz

Brüssel/München (dpa) Ein Computer, der wie das menschliche Gehirn funktioniert und ein hauchdünner Werkstoff, viel fester als Stahl. Diese beiden Wissenschaftlerträume will die EU-Kommission finanzieren helfen. Bundesforschungsministerin Schavan ist erfreut.
EU-Digitalkommissarin Neelie Kroes und der britische Wissenschaftler Jari Kinaret, Leiter des «Graphene»-Projekts, in Brüssel. Foto: Olivier Hoslet

EU-Digitalkommissarin Neelie Kroes und der britische Wissenschaftler Jari Kinaret, Leiter des «Graphene»-Projekts, in Brüssel. Foto: Olivier Hoslet

Die Brüsseler EU-Kommission will zwei Forschungsprojekte mit Finanzspritzen von je 54 Millionen Euro in Schwung bringen. EU-Digitalkommissarin Neelie Kroes verkündete die Entscheidung am Montag. Deutsche Wissenschaftler sind auch dabei.

Das Geld geht an das «Graphene»-Projekt unter Federführung der Chalmers Universität im schwedischen Göteborg und an das «Human Brain»-Projekt unter Leitung der École Polytechnique Fédérale im schweizerischen Lausanne. Die an den Forschungen beteiligten Institute, Universitäten und Firmen sollen ebenfalls je 54 Millionen Euro beisteuern.

Inklusive öffentlicher und privater Gelder hofft die EU-Kommission auf eine Finanzierung von einer Milliarde Euro bis 2020 je Projekt. Obwohl die EU-Staaten den Haushalt für die Jahre 2014 bis 2020 noch nicht beschlossen haben, war Kroes zuversichtlich, dass weiteres Fördergeld aus EU-Töpfen fließen wird. «Ich kann nahezu sicher sein, dass es [der Betrag] ausgefüllt wird.»

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) reagierte erfreut auf die Wahl. «Deutsche Wissenschaftler sind an beiden Projekten beteiligt und leisten einen wichtigen Beitrag in den Konsortien. Das ist ein herausragender Erfolg für die hiesige Spitzenforschung», erklärte Schavan.

Das Human Brain Project habe zum Ziel, das weit verstreute, umfangreiche Wissen über das Gehirn zusammenzuführen, berichtete die Technische Universität München (TUM), die daran beteiligt ist. Auf Supercomputern würden das Gehirn und seine Arbeitsweise Stück für Stück in Modellen und Simulationen rekonstruiert.

Derzeit scheiterten Computersimulationen des Gehirns laut EU-Kommission an mangelnder Rechnerkapazität. Detaillierte Abbildungen des menschlichen Gehirns könnten dann mit Silikon ausgedruckt werden, erläuterte der leitende Wissenschaftler Henry Markram.

Ein Computermensch solle aber nicht entstehen, sagte Makrams Kollege Prof. Alois Knoll vom Lehrstuhl für Echtzeitsysteme und Robotik in Garching bei München: «Es ist sicherlich kein Projekt, bei dem man zum Schluss eine überlegene Kreatur schaffen will, das ist völlig ausgeschlossen.»

Neben dem Institut Fortiss an der TUM sind aus Deutschland auch das Forschungszentrum in Jülich mit seinem Superrechner sowie Heidelberger Physiker an dem Projekt beteiligt. In Jülich geht es nach Angaben Knolls darum, die Leistung zukünftiger Rechner zu verbessern. Die Heidelberger kümmerten sich um die Entwicklung von Schaltkreisen nach biologischem Vorbild.

Von der Förderung des Materials Graphen versprechen sich Politik und Wissenschaftler einen leichten und extrem widerstandsfesten neuen Werkstoff. Es werde wahrscheinlich viele Einsatzmöglichkeiten haben und Silikon sowie andere Materialien ersetzen, erklärte EU-Digitalkommissarin Kroes. «Das kann hier ein "Graphene Valley" in Europa werden», sagte sie in Anspielung auf das kalifornische Technologiezentrum «Silicon Valley». An der Entwicklung des hauchdünnen Materials Graphen arbeite auch die Aachener AMO GmbH mit, erklärte das deutsche Bundesforschungsministerium.

Graphen ist nach Angaben der EU-Kommission bis zu 300 Mal stärker als Stahl und leite Elektrizität sehr gut. Es könne in Zukunft möglicherweise beim Flugzeugbau, in der Telekommunikation oder zur Erzeugung künstlicher Netzhäute genutzt werden.

Die zwei Förderprojekte hat ein Gremium aus 25 Experten ausgewählt. Die EU-Staaten müssen den Beschluss billigen. Nach Angaben eines Kommissionsexperten hält sich die Politik bei der Vergabe von Forschungsgelder aber an solche Entscheidungen.


Das könnte Sie auch interessieren
Ihren Namen haben die Sternschnuppen vom Sternbild Lyra. Foto: Daniel Reinhardt

:Sicht auf Lyriden am Sonntag am besten

Heppenheim/Offenbach (dpa) Sternschnuppen-Freunde sollten vor allem am frühen Sonntag den Nachthimmel im Blick behalten. Dann ist der Sternschnuppenstrom der Lyriden voraussichtlich am besten zu sehen. mehr...

Start in Cape Canaveral: Eine Rakete vom Typ Falcon 9 hat «Tess» ins All transportiert. Foto: John Raoux/AP

:Mission Planetensuche: «Tess» ist gestartet

Cape Canaveral (dpa) Das Weltraumteleskop «Kepler» hat tausende mögliche Exoplanetenentdeckt, aber jetzt geht ihm langsam der Sprit aus. Deswegen hat sich nun ein Nachfolger auf den Weg gemacht. «Tess» soll die Planetensuche übernehmen - und ausweiten. mehr...

Urahn aus der Eisenzeit? Hengste bei der Probe für eine Leistungsschau. Foto: Matthias Hiekel

:Studie: Viele Hengste haben denselben Urahn

Berlin/Potsdam (dpa) Er lebte wohl vor knapp 3000 Jahren: Von einem Hengst aus der Eisenzeit stammen einer neuen Studie zufolge nahezu alle heute lebenden Hengste ab. mehr...

Die Nysius groenlandicus ernährt sich zum Beispiel von Pflanzensamen. Foto: Toke Hoye

:Auch Springschwänzen wird die Arktis zu warm

St. Louis (dpa) Der Klimawandel macht nicht nur großen Tieren zu schaffen. Er bringt auch das Leben der Krabbeltiere auf Grönland durcheinander. mehr...

Am 6. Juni soll Alexander Gerst zusammen mit dem Russen Sergej Prokopjew und der US-Astronautin Serena Auñón-Chancellor vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur zur ISS starten. Foto: Oliver Berg

:Commander Gerst vor Mission ins All: entspannt und topfit

Köln (dpa) In sieben Wochen startet Alexander Gerst zum zweiten Mal zur ISS. Zeitweise wird er erster deutscher Kommandant der Raumstation. Vor seinem Abheben kommt er gewohnt bodenständig-bescheiden daher. Im Blaumann schildert er die Ziele der Mission. mehr...

Mediathek

Dreischers Wetter: So wird das Wochenende in Dortmund...

Anzeige
Service
Lady Bird (Saoirse Ronan, M) ist nicht nur von ihrer Mutter (Laurie Metcalf) genervt. Foto: Merie Wallace/Universal Picturesanhören

Der Film der Woche:Lady Bird

"Lady Bird" sorgt auf der ganzen Welt für euphorische Publikums- und Kritiker-Reaktionen. Denn der Film zeigt auf unwiderstehlich charmante und berührend wahrhaftige Weise, was es heißt, erwachsen zu werden. mehr...

Florianturm im Dortmunder Westfalenparkanhören

Hoch die Hände...!:Das Wochenende in Dortmund

Was ist los an diesem Wochenende in unserer Stadt?Wir haben einige Veranstaltungen für Sie rausgesucht! mehr...

Lady Bird McPherson (Saoirse Ronan, M) hat im letzten Schuljahr einfach genug von allem. Foto: Merie Wallace/Universal Picturesanhören

Neu im Kino:Lohnt sich der Besuch?

Diese Kinowoche ist ein Fest für Fans brillianter Schauspieler. Allerdings können auch Stars nicht jeden Film retten! mehr...

Tickets
Facebook