Donnerstag, 14. Dezember 2017
21. April 2017 um 13:00 Uhr

Anschlag auf BVB: 28-Jähriger offenbar Einzeltäter

Der mutmaßliche Attentäter des Anschlags auf den BVB-Mannschaftsbus ist wahrscheinlich ein Einzeltäter. Das hat die Bundesanwaltschaft mitgeteilt. Am Morgen ist der 28-jährige Sergej W. im baden-württembergischen Tübingen festgenommen worden.
Polizeieinsatzkräfte sprechen in einer Straße in Rottenburg am Neckar (Baden-Württemberg) mit Anwohnern. Foto: Christoph Schmidt

Polizeieinsatzkräfte sprechen in einer Straße in Rottenburg am Neckar (Baden-Württemberg) mit Anwohnern. Foto: Christoph Schmidt

Als Motiv wird Habgier vermutet. W. soll einen Kredit von mehreren 10.000 Euro aufgenommen, BVB-Aktien gekauft und auf einen fallenden Kurs der Aktie des Vereins spekuliert haben. Der mutmaßliche Attentäter werde noch heute dem Haftrichter vorgeführt, sagt die Pressesprecherin des Bundesanwaltschaft Frauke Köhler.

Frauke Köhler

Anderthalb Wochen nach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund hat die Polizei den Tatverdächtigen am Morgen festgenommen.

Nach der Festnahme des mutmaßlichen Attentäters hat sich Sportdirektor Michael Zorc erleichtert gezeigt.  Diese neue Situation zusammen mit den Informationen über das mögliche Motiv könne für alle Betroffenen hilfreich sein, das Erlebte zu verarbeiten. Sportdirektor Zorc bedankte sich außerdem bei allen Ermittlern und der Justiz, dass sie auf eine Verurteilung des Verantwortlichen hinarbeiten.

Michael Zorc

Laut Mitteilung der Bundesanwaltschaft scheint der mutmaßliche Täter wohl auf einen durch den Anschlag verursachten Kursverlust der BVB-Aktie gesetzt zu haben, um dadurch einen Millionengewinn einstreichen zu können. An islamistischen oder anderen extremistischen Hintergründen bestünden erhebliche Zweifel.

Der Verdächtige sei ein 28-Jähriger mit deutscher und russischer Staatsangehörigkeit. Ihm wird von der Bundesanwaltschaft versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Laut Bundesanwaltschaft  waren die Sprengsätze über eine Länge von 12 Metern in einer Hecke versteckt und zeitlich optimal gezündet worden. Da eine Bombe nicht auf dem Boden platziert war, konnte eine schlimmere Katastrophe verhindert werden.  Während der vordere und hintere Sprengsatz auf dem Boden lagen, befand sich der Mittlere in einer Höhe von rund einem Meter. Zum Glück: Denn durch den Höhenunterschied trafen die Metallstifte nicht den Bus, sondern flogen darüber. Laut Bundesanwaltschaft hatten die Ermittler noch einen Metallstift in einer Entfernung von 250 Metern gefunden. Die Metalstifte sind etwa 7 cm lang und wiegen rund 15g. Welcher Sprengstoff verwendet wurde, dazu konnten die Ermittler noch keine Informationen geben. 

Am Dienstag vergangener Woche hatten vor dem Champions-League-Spiel der Dortmunder gegen den AS Monaco drei Sprengsätze am Mannschaftshotel gezündet, während der BVB-Bus vorbeifuhr. Dabei wurde der Abwehrspieler Marc Bartra in dem Fahrzeug von Splittern getroffen und schwer verletzt. Ein Motorradpolizist erlitt ein Knalltrauma. 

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur liefen am Freitagmorgen Polizeiaktionen gegen insgesamt vier unterschiedliche Objekte in Baden-Württemberg.

Laut Bundesanwaltschaft hat der Beschuldigte am 11. April - dem Tag des Anschlags gegen den BVB-Bus - 15 000 Verkaufsoptionen für 78 000 Euro in Bezug auf die BVB-Aktie erworben. Die Papiere hätten eine Laufzeit bis zum 17. Juni gehabt. Der Kauf wurde demnach über einen Online-Anschluss des Mannschaftshotels abgewickelt. Der Beschuldigte habe die Papiere über einen am Anfang April 2017 aufgenommenen Verbraucherkredit finanziert, hieß es.

Der Käufer spekulierte laut GBA auf fallende Kurse - die Höhe des Gewinns hänge von der Höhe des Kursverlustes ab. Mit einem erheblichen Kursverfall wäre zu rechnen gewesen, wenn wegen des Anschlags Spieler schwer verletzt oder sogar getötet worden wären. Der Verdächtige sei wie die Mannschaft Gast im Mannschaftshotel gewesen und habe dort bereits am 9. April ein Zimmer im Dachgeschoss mit Blick auf den späteren Anschlagsort bezogen.

Die BVB-Spieler waren kurz vor dem Anschlag mit ihrem Bus vom Mannschaftshotel zum Champions League-Hinspiel gegen den AS Monaco abgefahren. Die drei Sprengsätze waren in einer Hecke in der Nähe des Hotels versteckt. Das Spiel war dann wegen des Anschlags um einen Tag verschoben worden.

Nach Informationen der «Bild»-Zeitung wohnte der Tatverdächtige in Baden-Württemberg. Er sei seit dem 13. April per Haftbefehl wegen 20-fachen versuchten Mordes und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion gesucht worden. Laut Generalbundesanwalt waren an den Ermittlungen mehrere hundert Beamte des Bundeskriminalamtes sowie der nordrhein-westfälischen und der baden-württembergischen Polizei beteiligt.

Die Sprengsätze waren dem Generalbundesanwalt zufolge über eine Länge von zwölf Metern in einer Hecke entlang der Fahrstrecke des Mannschaftsbusses angebracht. Die Sprengwirkung der mit Metallstiften bestückten Sprengsätze sei auf den Bus ausgerichtet gewesen. Ein Metallstift sei noch in einer Entfernung von 250 Meter aufgefunden worden. Die Zündung sei nach derzeitigem Erkenntnisstand für jeden Sprengsatz separat über eine funkausgelöste elektrische Schaltung erfolgt. Zur Art des verwendeten Sprengstoffs lägen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor.

Mittlerweile haben sich nach der Festnahme auch NRW-Innenminister Jäger und Bundesjustizminister Maas geäußert. Dies sei eine gute Nachricht für den Fußball, twitterte Jäger auf dem Kurznachrichtendienst. Gleichzeitig bedankte er sich bei den intensiven Ermittlungen von Bundesanwaltschaft, Bundeskriminalamt und Polizei. Die Festnahme zeige auch, wie wichtig es sei, in alle Richtungen zu ermitteln. Bundesjustizminister Maas verurteilte den Sprengstoffanschlag scharf. Jedes Motiv für eine solche Tat sei abscheulich - sollte der Beschuldigte tatsächlich aus bloßer Geldgier versucht haben, mehrere Menschen zu töten, wäre das einfach grauenhaft, sagte der Minister heute in Berlin. Maas betonte, dass wir es der gesamten Mannschaft von Borussia Dortmund schuldig seien, diese Tat und ihre Hintergründe umfassend aufzuklären.
 

 
 
 

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