Freitag, 21. Juli 2017
17. Juli 2017 um 13:40 Uhr von Von Wolfgang Müller, dpa

Sport : Kein Tanz, aber Drinks: Federers Wimbledon-Party

London (dpa) Für seinen historischen achten Wimbledonsieg wird Roger Federer auf der ganzen Welt gefeiert und gewürdigt. Im kommenden Monat wird er 36, im nächsten Jahr will er wieder hier aufschlagen. Erst einmal aber feiert er ausgiebig seinen Erfolg - auch ohne Musik.
Roger Federer und seine Frau Mirka beim Wimbledon Champions Dinner 2017. Foto: Lauren Hurley

Roger Federer und seine Frau Mirka beim Wimbledon Champions Dinner 2017. Foto: Lauren Hurley

Roger Federers Tanz beim Champions Dinner mit Wimbledonsiegerin Garbiñe Muguruza fiel leider aus. «Es gab keine Musik und keine Tanzfläche», erzählte der Schweizer, als er nach einer äußerst kurzen Nacht noch einmal auf der Anlage des All England Clubs erschien.

Bis fünf Uhr morgens feierte der bald 36 Jahre alte Tennisprofi aus der Schweiz im eleganten schwarzen Anzug mit schmaler schwarzer Krawatte seine historische Tat des achten Triumphes auf dem Heiligen Rasen.

«Ich habe zu viele zu unterschiedliche Drinks gehabt», verriet Federer schmunzelnd. Obwohl sichtlich angeschlagen und mit leicht belegter Stimme, stellte er sich in heller Jeans und hellblauem T-Shirt den Fragen der Weltpresse, die seine Leistung bereits mit Titelseiten und heroischen Schlagzeilen gewürdigt hatte.

«Mit ihm ist der Katalog der Superlative seit langem ausgeschöpft. Roger Federer schreibt einen überwältigenden Roman ohne Ende», schrieb «Le Figaro». Für den «Telegraph» ist der nun 19-malige Grand-Slam-Sieger und älteste Wimbledon-Champion im Profitennis «Teil der britischen Sportgeschichte, eine Dauerausstellung, von der man sich wünscht, sie würde nie geschlossen».

Und so schnell wird das auch nicht geschehen. Wenn er gesund bleibt, seine Turniere auch weiterhin «clever plant», wie er es formulierte, und die Lust seiner Familie mit den vier Kindern auf die strapaziösen Reisen rund um die Welt nicht nachlässt, wird Federer seiner Sportart noch eine Weile erhalten bleiben. Natürlich hätte es für einen Rücktritt keinen passenderen Moment geben können als jene Nachmittagsstunden des 16. Juli 2017 nach dem ungefährdeten 6:3, 6:1, 6:4 gegen den von Blasen am Fuß gehandicapten Marin Cilic.

14 Jahre nach seinem ersten und fünf Jahre nach seinem bis dahin letzen Wimbledon-Triumph hatte sich Federer tatsächlich noch einmal in den Siegerlisten verewigt. Zum achten Mal. So oft wie kein anderer Profi vor ihm. «Unglaublich, wie sich meine Karriere hier widerspiegelt», sagte er. Doch ein Rücktritt war nie ein Thema.

Im Gegenteil: Während seine Kontrahenten Andy Murray und Novak Djokovic mit Blessuren und Verschleißerscheinungen ihres Körpers zu kämpfen haben und möglicherweise länger pausieren müssen, wirkt Federer als stünde die Quelle der ewigen Jugend bei ihm zu Hause in der Schweiz. «Er steht weniger als einen Monat vor seinem 36. Geburtstag, aber die letzten zwei Wochen hat er über die Tennisplätze getanzt wie ein Teenager in der Disco», schrieb «The Independent».

Der goldene Siegerpokal stand auf dem Tisch neben Federer, unzählige Aufnahmegeräte lagen vor ihm. «Die werde ich alle behalten, das wird ein gutes Geschäft», scherzte Federer. Ausführlich ließ er noch einmal das vergangene Jahr Revue passieren mit der sechsmonatigen Verletzungspause in der zweiten Hälfte und dem wundersamen Comeback mit dem Titel bei den Australian Open Anfang 2017.

Er philosophierte über das Punktsystem für die Weltrangliste, die mentale Herausforderung eines zweiwöchigen Grand-Slam-Turniers oder seine Erkältung, die ihn während der Wimbledon-Wochen plagte.

Erst einmal gönnt sich Federer nun ein paar Tage Pause. «Ich will das Ganze jetzt auch genießen», sagte er. Und im kommenden Jahr würde er am liebsten den Sonntagabend erneut in der Londoner Guildhall verbringen. Vielleicht gibt es dann auch wieder eine Tanzfläche.


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