Montag, 23. Oktober 2017
12. Oktober 2017 um 18:30 Uhr von Von Ulrike John, dpa

Sport : Fußball-Folklore in Frankfurt: Basler ist wieder da

Frankfurt/Main (dpa) Mario Basler war durch seine Eskapaden, Sprüche und vor allem seine fußballerische Fähigkeiten mal eine große Nummer im Fußball. Jetzt ist er als Trainer in der fünften Liga angekommen. Es ist aber eher ein Fall als ein Aufstieg.
Mario Basler erhält bei Rot-Weiss Frankfurt einen Vertrag bis zum 9. Dezember. Foto: Roland Weihrauch

Mario Basler erhält bei Rot-Weiss Frankfurt einen Vertrag bis zum 9. Dezember. Foto: Roland Weihrauch

Mit einem lauten «Grüß Gott!» hat sich Mario Basler fünf Jahre nach seinem letzten Trainerjob zurückgemeldet - abseits der großen Bühne.

Der 48-Jährige, einst und irgendwie noch immer Enfant terrible der Szene, heuert erstmal für zwei Monate beim Hessenligisten Rot-Weiss Frankfurt an. Bei seiner Präsentation herrschte großen Medienandrang. Basler zog seine Sprüche ab - Fußball-Folklore halt. Was er denn jenen entgegne, die ihn für so ein Engagement belächeln? «Da lach' ich auch. Ich lach' zurück!», sagte er.

Großes Stühlerücken für «Super-Mario»: Erstmal musste in der Stadiongaststätte am Brentanobad der Raum gewechselt werden, damit alle reinpassen. Basler kam im schwarzen Trainingsanzug und bekam ein Glas Mineralwasser hingestellt. Das Mikrofon krächzte dermaßen, dass es der Clubsprecher bald weglegen musste.

«Viel Blödsinn» sei schon geschrieben worden die letzten Tage, klagte Basler, da bei Rot-Weiss Frankfurt ein Saunaclub Sponsor ist. De facto sei es so, dass sein Engagement ein «Freundschaftsdienst» sei für Frankfurts Verwaltungsrat Johny Baez. Dieser erklärte, dass der Europameister von 1996 von privaten Sponsoren bezahlt werde.

«Es ging hier für mich nicht ums Geld. Der Aufwand ist minimal, ich bin froh, dass ich mein Spritgeld bekomme», sagte Basler. Er wurde erstmal nur bis zum Ende der Vorrunde verpflichtet, bis zum 9. Dezember. «Ziel ist es, Mario über den Winter hinaus zu halten», betonte Yüksel Ekiz, der Sportliche Leiter beim Tabellenvorletzten.

Basler war zuletzt vor fünf Jahren Trainer bei Rot-Weiß Oberhausen, danach noch 2015/2016 Geschäftsführer Sport beim Oberligisten 1. FC Lokomotive Leipzig. Seitdem ist er Privatier und sorgt als Hobby-Kicker beim TuS Rüssingen mal für Freistoßtore.

Ob er denn noch rauche? «Dumme Frage!», sagte der Europameister von 1996. «Wahrscheinlich kennen Sie sich nicht im Fußball aus und wissen nicht, dass am Spielfeldrand nicht geraucht werden darf.»

Der frühere Bundesliga-Profi von Werder Bremen, Bayern München und des 1. FC Kaiserslautern trainiert nun die Frankfurter Amateure - viermal die Woche am Abend. Am Samstag (15.00 Uhr) gibt er sein Debüt beim FC Ederbergland. Ob er die Hessen-Liga den kenne? «Grundsätzlich interessiert mich der Gegner nicht. Die Jungs sollen einfach Fußball spielen», sagte Basler. «Ich hoffe natürlich, dass ich mit meiner Anwesenheit und meiner Erfahrung, der jungen Mannschaft helfen kann.» Überhaupt: «Tolle Mannschaft hier, toller Verein, tolles Gelände.»

Bei Jahn Regensburg, TuS Koblenz, Eintracht Trier, Wacker Burghausen und in Oberhausen hatte Basler mäßigen Erfolg als Trainer. Rot-Weiss Frankfurt hatte vor langer Zeit mal einen Spieler namens Jürgen Klopp und einen Trainer namens Dragoslav Stepanovic, scheiterte zuletzt in der Aufstiegsrunde zur Regionalliga und kämpft mit finanziellen Problemen.

Begeistert stellten sich die Funktionäre nach der Pressekonferenz zum Gruppenfoto mit Basler und Vereinschal. Der 30-fache Nationalspieler fragte noch, ob das Hersteller-Logo auf seinem Trainingsanzug gut zu sehen sei. Keiner wusste so recht, ob das jetzt ein Spaß war oder Ernst.


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