Freitag, 15. Dezember 2017
07. Dezember 2017 um 11:10 Uhr von Von Klaus Bergmann und Arne Richter, dpa

Sport : Lahm soll Ehrenspielführer der Nationalmannschaft werden

Frankfurt/Main (dpa) Philipp Lahm bekommt eine besondere Auszeichnung. Als sechster Nationalspieler soll er zum Ehrenspielführer des vierfachen Weltmeisters ernannt werden. Formal müssen die DFB-Delegierten noch zustimmen. Ein überwältigendes Votum für den Münchner ist sicher.
Philipp Lahm (M) soll zum Ehrenspielführer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ernannt werden. Foto: Marcus Brandt

Philipp Lahm (M) soll zum Ehrenspielführer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ernannt werden. Foto: Marcus Brandt

Jetzt steht Philipp Lahm mit erst 34 Jahren auf einer Stufe mit deutschen Fußball-Legenden wie Fritz Walter, Uwe Seeler und Franz Beckenbauer.

Ein halbes Jahr nach dem Ende seiner grandiosen Profikarriere will der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Kapitän der Weltmeistermannschaft von 2014 am Freitag zum insgesamt sechsten Ehrenspielführer der Nationalmannschaft benennen. Lothar Matthäus und Jürgen Klinsmann, das Weltmeister-Duo von 1990, komplettiert diesen illustren Kreis.

Formal fehlt noch die Zustimmung der Delegierten des Außerordentlichen Bundestags. Doch an einer Ernennung per Akklamation gibt es keine Zweifel. «Wir möchten den Delegierten Philipp Lahm vorschlagen, weil er als Fußballer und als Mensch zu den ganz Großen gehört, der immer eine klare Meinung gehabt und diese auch vertreten hat», sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel.

Die Auszeichnung geht einher mit einer Rückkehr zum DFB. Denn Lahm soll fortan als Botschafter für die vom deutschen Verband angestrebte Ausrichtung der Europameisterschaft 2024 werben. «Philipp Lahm ist ein herausragender Sportmann, ein überragender Teamplayer und zudem ein sozial engagierter Mensch. Mit der beabsichtigten Ernennung zum Ehrenspielführer sollen nicht zuletzt seine großartigen Leistungen als Kapitän unserer Weltmeisterelf 2014 gewürdigt werden», sagte Grindel.

Die DFB-Auszeichnung reiht sich ein in eine Vielzahl von Würdigungen in diesem Jahr. Nachdem Lahm Ende der vergangenen Saison seine aktive Laufbahn beim FC Bayern mit seinem achten Meistertitel beendet hatte, wurde er unter anderem von den deutschen Sportjournalisten erstmals zum «Fußballer des Jahres» gekürt. Es war eine Wahl, die Lahm am Ende seiner sportlich weder erfolgreichsten noch besten Saison mehr als eine Würdigung seines Lebenswerkes einstufte.

Lahm hat die Ernennung zum Ehrenspielführer fraglos verdient. Der gebürtige Münchner war ein idealer Botschafter für den DFB und den deutschen Fußball. Seit der WM 2010 in Südafrika führte er das Nationalteam als Kapitän an. 113 Länderspiele (5 Tore) bestritt er.

Lahm war ein Jahrzehnt lang ein Außenverteidiger der absoluten Weltklasse. Seine Trainer hätten den nur 1,70 Meter großen Lahm am liebsten geklont, denn er war links und rechts stets der Beste.

Lahms Krönung war der WM-Triumph 2014 im Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro. Nach dem 1:0 im Endspiel gegen Argentinien durfte er endlich den goldenen WM-Pokal in den Händen halten, ein Jahr nach seinem größten Vereinserfolg, dem Champions-League-Gewinn mit den Bayern.

Am Morgen nach dem WM-Finale unterrichtete der damals 30 Jahre junge Kapitän Bundestrainer Joachim Löw über seinen Rücktritt. «Herzlichen Dank für eine wunderbare Zeit», sagte Lahm damals. Er trat auf dem Höhepunkt ab. Löw gab den Dank zurück: «Als Trainer kann man sich einen solchen Spieler nur wünschen. Philipp war für mich immer ein zentraler und ganz wichtiger Ansprechpartner, mit dem wir unsere Ideen diskutieren konnten. Er kann auf seine Laufbahn stolz sein.»

Nachdem der sofortige Wechsel vom Spieler in eine sportliche Führungsposition beim FC Bayern nicht zustande kam, genießt der zweifache Familienvater Lahm aktuell ein Leben abseits des Fußballs. «Ich habe jetzt einen viel abwechslungsreicheren Alltag als früher, kann mir meine Tage selber einteilen und auch einmal Zeit mit meiner Familie genießen», sagte Lahm jüngst dem «Münchner Merkur».

Er kümmert sich intensiv um seine Stiftung und seine Holding. Das unternehmerische Engagement soll auch 2018 bei ihm im Vordergrund stehen. Den Besuch von Fußballstadien hat Lahm zuletzt gemieden. Das könnte sich jetzt wieder ändern: Als EM-Botschafter für 2024 wird Lahms Präsenz in Fußball-Kreisen sicherlich wieder zunehmen.


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