Freitag, 15. Dezember 2017
07. Dezember 2017 um 21:20 Uhr von Von Sebastian Stiekel und Arne Richter, dpa

Sport : Last-Minute-Rettung für Regionalliga-Reform

Frankfurt/Main (dpa) Das war knapp. Sogar in ranghohen DFB-Kreisen war nicht mehr mit einer Einigung auf eine Regionalliga-Reform gerechnet worden. Nun gibt es einen Kompromiss auf Zeit, der aber sportlich fragwürdig ist. Das Grundproblem bleibt: Der Streit um Einfluss und Proporz.
Die 21 Landesverbände des DFB haben sich doch noch auf eine Regionalliga-Reform geeinigt. Foto: Arne Dedert

Die 21 Landesverbände des DFB haben sich doch noch auf eine Regionalliga-Reform geeinigt. Foto: Arne Dedert

Eine Blamage gerade noch abgewendet, aber die erhoffte Dauerlösung vertagt: Nach stundenlangen Diskussionen haben die Fußball-Funktionäre aus den 21 Landesverbänden ein Scheitern der geplanten Regionalliga-Reform verhindert.

Wie der Deutsche Fußball-Bund mitteilte, einigten sich die Amateur-Vertreter zumindest für den Zeitraum von zwei Jahren auf eine neue Regelung für den Aufstieg in die 3. Liga.

Demnach soll es in den Spielzeiten 2018/19 und 2019/20 vier Aufsteiger aus den fünf Regionalligen geben. Dies soll beim Außerordentlichen DFB-Bundestag am Freitag in Frankfurt verabschiedet werden. Zuvor hatte bereits das Portal Sportbuzzer.de über die späte Einigung berichtet.

Die neue Regelung mutet kompliziert an: Ein direktes Aufstiegsrecht wird demnach in beiden Spielzeiten der Meister der Regionalliga Südwest erhalten. Der Meister der Regionalliga Nordost bekommt dieses Recht in der ersten Spielzeit 2018/19. Das dritte direkte Aufstiegsrecht für die erste Saison der Übergangsphase wird unter den Ligen Bayern, Nord und West ausgelost. Die Meister der Ligen, die nicht gezogen werden, ermitteln in Playoff-Spielen den vierten Aufsteiger.

Dafür erhalten diese beiden Ligen in der Saison 2019/20 - zusammen mit dem Südwest-Meister - das direkte Ticket Richtung 3. Liga. Der Meister Nordost und der Champion der Staffel, die im ersten Jahr als Direktaufsteiger gelost worden war, gehen dann ins Playoff. Zwar gibt es damit einen Aufsteiger mehr als bisher für die Regionalligisten, eine Lösung mit Lossystem verwässert aber sportliche Kriterien.

«In einer komplexen Fragestellung, in der sehr viele unterschiedliche Interessen berücksichtigt werden mussten, ist es uns gelungen, bis zum nächsten Ordentlichen DFB-Bundestag eine Übergangslösung zu finden, die eine deutliche Verbesserung der Ist-Situation darstellt und die von allen Regionalverbänden mitgetragen wird», sagte DFB-Vize Rainer Koch.

Am Nachmittag war in ranghohen DFB-Kreisen schon nicht mehr mit einer Kompromisslösung gerechnet worden. Eine dauerhafte Neuregelung soll eine Expertenkommission unter der Leitung von DFB-Vize Peter Frymuth bis zum Bundestag 2019 erarbeiten.

Mit der Last-Minute-Rettung wurde auch ein befürchtetes Tohuwabohu beim Bundestag verhindert. Die Debatte um den Aufstieg in die 3. Liga hatte zuletzt groteske Züge angenommen und den Dünkel um Proporz und Einfluss im deutschen Amateurfußball offenbart.

Bei einem Gipfeltreffen mit den Landesverbänden hatte DFB-Präsident Reinhard Grindel am Mittwochabend noch einmal vergeblich versucht, einen Kompromiss zu finden. Auch am Donnerstag zog sich die Debatte lange hin. Zu viele Partikularinteressen mussten befriedigt werden.

Der gesamte Ablauf passte zu der schwierigen Verfassung, in der sich der Verband zurzeit befindet. Überall gibt es Baustellen. Dazu gehören die chaotische Umsetzung des Videobeweises, der Streit im Schiedsrichter-Bereich, die Aufregung um den Grundlagenvertrag mit der DFL und die massiven Steuernachzahlungen im WM-Skandal.

Der Versuch, die Regionalligen zu reformieren, kommt jetzt noch dazu, denn auch dieser Prozess war bislang durch Auseinandersetzungen und ein Gefeilsche hinter den Kulissen geprägt. Auch hier hat sich die DFB-Spitze um Reinhard Grindel mit großem Eifer eingeschaltet, aber letztlich die Dinge nur mühsam in den Griff bekommen.

Das Problem der Regionalliga-Reform ist: Es standen gleich sieben verschiedene Modelle zur Diskussion. Aber bei jedem müsste irgendein Landesverband Zugeständnisse machen, zu denen er nicht bereit ist. Vor allem die Vertreter der neuen Bundesländer beharren wie bisher auf einer eigenen Regionalliga, der Staffel Nordost.

«Wir sind uns aufgrund der Mehrheitsverhältnisse bewusst, dass dieser Antrag ein großes Entgegenkommen der anderen Regionalverbände für den Nordosten darstellt. Wir freuen uns, dass wir am Ende unserer hartnäckigen Bemühungen um eine konstruktive Lösung in der kommenden Spielzeit über einen festen Aufstiegsplatz verfügen und werden unseren Beitrag leisten, bis 2019 eine neue, gemeinsame Regelung zu finden», sagte der Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbands (NOFV), Rainer Milkoreit.

Am einfachsten wäre es, in Zukunft vier statt fünf Regionalligen zu betreiben und jeden Meister am Ende einer Saison direkt aufsteigen zu lassen. Doch dann wäre die Frage: Wo verlaufen die Grenzen? Je eine Staffel im Norden, Süden, Osten und Westen würde die besonders mitgliederstarken Regionen im Westen und Südwesten benachteiligen. Einen Teil der ostdeutschen Vereine in eine Nord-Staffel zu integrieren und den anderen Teil gegen bayerische Vereine antreten zu lassen - das wiederum würden die Nord-Ost-Vertreter nicht mitmachen.

Grindel ist deshalb für ein Konsens-Modell: Danach soll es bei fünf Regionalligen bleiben, aber künftig vier statt bisher drei Aufsteiger geben. Der Meister des Westens und des Südwestens soll jedes Jahr direkt aufsteigen, der dritte feste Aufstiegsplatz nach einem Rotationsmodell an den Erstplatzierten aus dem Norden, Nordosten oder Bayern gehen. Der vierte Aufsteiger müsste in zwei Playoff-Spielen zwischen den Meistern der übrig gebliebenen Ligen ermittelt werden.

Aber auch dafür gibt es keine Mehrheit - aber immerhin nun einen Kompromiss auf Zeit. Auch der DFB-Bundestag kann sich so wieder jenem Thema widmen, das der eigentliche Grund für seine Einberufung war: die Abstimmung über die DFB-Akademie. Jahrelang hat der bisherige Rennbahnbetreiber dieses Prestigeprojekt verzögern können. Jetzt steht aus Sicht des DFB endlich die Entscheidung über den Bau des bis zu 150 Millionen Euro teuren Leistungs- und Verwaltungszentrums auf dem Gelände der Frankfurter Galopprennbahn an. Die DFB-Spitze rechnet fest mit einer überwältigenden Zustimmung.


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