Donnerstag, 18. Januar 2018
14. Dezember 2014 um 15:41 Uhr von Von Jens Mende, dpa

Fußball : Schieber verlängert BVB-Alptraum

Berlin (dpa) Ausgerechnet der ehemalige Dortmunder Schieber zerstört den zarten Aufbruch seines Ex-Clubs. Die schon neunte Liga-Pleite lässt die Borussen fast verzweifeln. Die Fans leisten Aufbauarbeit. Herthas Matchwinner beendet die schwarze Berliner Heimserie gegen den BVB.
Julian Schieber erzielt im Spiel gegen Dortmund das einzige Tor. Foto: Oliver Mehlis

Julian Schieber erzielt im Spiel gegen Dortmund das einzige Tor. Foto: Oliver Mehlis

Der Alptraum für den BVB und Trainer Jürgen Klopp geht weiter. Dass ausgerechnet der ehemalige Dortmunder Julian Schieber dafür hauptverantwortlich zeichnete, passt nur noch in die düstere Liga-Saison des Champion-League-Achtelfinalisten.

«Wir sind uns der Situation schon maximal bewusst», erklärte Klopp nach dem bitteren 0:1 (0:1) am 15. Spieltag der Fußball-Bundesliga, der schon neunten Punktspiel-Pleite der laufenden Saison.

Doch als Hertha-Coach Jos Luhukay auch noch zur Lobeshymne ansetzte («Jürgen hat eine fantastische Mannschaft und ist ein fantastischer Trainer») brach Klopp kurz in sich zusammen. «Wir hören Woche für Woche, dass wir eine großartige Mannschaft haben. Doch die großartige Mannschaft hat großartige Probleme», erwiderte der Dortmunder Coach.

Ein bisschen Verzweiflung war schon zu spüren im Lager des Ex-Meisters, der in der europäischen Königsklasse gerade als Gruppensieger in die K.o.-Runde gespurtet war. «Wir machen immer wieder den ersten Schritt wie mit den Siegen gegen Gladbach und Hoffenheim. Und dann versauen wir es wieder», bemerkte Verteidiger Marcel Schmelzer gefrustet zu den weiterhin nur 14 Punkten.

Für sein Team war es bereits die sechste Auswärts-Niederlage in dieser Spielzeit, nach dem 3:2 im August in Augsburg holten die Borussen auf fremden Liga-Plätzen nur noch einen Punkt. «Wir hauen uns Woche für Woche immer tiefer in den Strudel. Jetzt wird es extrem schwer», sagte Mittelfeldmann Sven Bender.

Ausgerechnet die rund 10 000 BVB-Anhänger leisteten im Olympiastadion erste Aufbauarbeit. Nach einer zögerlichen Annäherung von Klopp und seinen Profis Richtung schwarz-gelbe Fankurve - nur Mats Hummels war wegen Rückenschmerzen schon in den Katakomben abgetaucht - schallte ihnen kein Pfeifkonzert, sondern die Kult-Hymne entgegen: «Unser ganzes Leben, unser ganzer Stolz.»

Der Trainer empfand das als «außergewöhnlich» und als «großen Hoffnungsschimmer», um das Tal des Leidens bald zu verlassen. «Unsere Zuschauer haben sich noch gar nichts zuschulden kommen lassen. Das kann ich von uns nicht behaupten», bemerkte Klopp, dennoch weiter überzeugt von seiner «großartigen Mannschaft».

In Berlin fehlten den Dortmundern zunächst Zielstrebigkeit und Schnelligkeit, nach der Pause Entschlossenheit und auch ein wenig Glück. Dabei stand bis auf Marco Reus und später Henrich Mchitarjan, für den mit einem Muskelbündelriss im Oberschenkel das Jahr beendet ist, wieder das beste Personal auf dem Rasen. Gleich vier große Chancen machte der starke Hertha-Torwart Thomas Kraft zunichte. Dazu versagte der Italiener Ciro Immobile kurz vor dem Ende. «Da war es schwieriger, vorbeizuköpfen als rein», empfand sogar Hertha-Trainer Luhukay.

Auch Matchwinner Schieber fühlte mit den Borussen. «Mitleid ist das falsche Wort. Ich finde es einfach schade. Sie haben eine unglaubliche Qualität und stehen zu Unrecht da unten», sagte der aktuelle Nummer-1-Stürmer des Hauptstadtclubs. Als «sensationell» stufte sein Trainer Luhukay den Siegtreffer ein, als Schieber Mats Hummels sowie Sebastian Kehl austanzte und dem neuen BVB-Stammkeeper Mitchell Langerak keine Abwehrmöglichkeit ließ (40. Minute).

Für Schieber war es schon Saisontreffer Nummer fünf - zugleich sein drittes Karriere-Tor in fünf Bundesliga-Spielen gegen Dortmund. Genau so viele hatte er in 35 Liga-Partien für den BVB erzielt. Seinem neuen Club, der mit 17 Punkten in der Tabelle auf Rang zwölf kletterte, bescherte Schieber vor 75 254 Zuschauern den ersten Heimsieg gegen den BVB seit mehr als sieben Jahren.

Die Borussia dagegen ist zurück in der Abstiegs- und Angstzone. «Dass bei uns keine wahnsinnig gute Stimmung ist, kann ich nicht feststellen», sagte Klopp auf eine Frage, ob er in dieser Situation nicht mehr so locker agieren könne. Auch wenn er sich als Trainer beim Tabellen-16. ständig hinterfrage, «muss man den Blick schnell auf die neue Chance richten», betonte Klopp. Die folgt am Mittwoch gegen Wolfsburg. Auftrag sei es, «unsere Ausgangsposition bis zur Winterpause dramatisch zu verbessern».


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