Donnerstag, 18. Januar 2018
18. Dezember 2014 um 14:41 Uhr von Von Heinz Büse, dpa

Fußball : BVB schöpft neuen Mut im Abstiegskampf - «Leben noch»

Dortmund (dpa) Starke Leistung, unbefriedigendes Ergebnis. Nach dem 2:2 gegen Wolfsburg gab es beim BVB zwiespältige Gefühle. Dennoch überwog eine positive Sicht der Dinge: Mit einem Sieg in Bremen will der Tabellen-16. verhindern, in der Abstiegszone überwintern zu müssen.
Dortmunds Trainer Jürgen Klopp schöpfte aus dem 2:2 gegen Wolfsburg Mut. Foto: Friso Gentsch

Dortmunds Trainer Jürgen Klopp schöpfte aus dem 2:2 gegen Wolfsburg Mut. Foto: Friso Gentsch

Die starke Leistung machte Mut, konnte die depressive Stimmung bei Borussia Dortmund aber nicht vertreiben. Mit zwiespältigen Gefühlen und gequältem Lächeln wertete Jürgen Klopp das 2:2 (1:1) gegen den VfL Wolfsburg als Fortschritt.

Bei allem Frust über den Verbleib seiner Mannschaft auf Tabellenrang 16 der Bundesliga und aller Aufregung um die hohe Geldstrafe für Angreifer Marco Reus wegen Fahrens ohne Führerschein sprach der Fußball-Lehrer von «positiven Nachrichten aus Dortmund. Wir leben noch. Wir können noch Fußball spielen. Und wir haben das Kämpfen noch nicht verlernt.»

Immerhin wahrte die Borussia mit dem Remis die Chance, nicht auf einem Abstiegsplatz überwintern zu müssen. Ein Sieg in der Partie am Samstag bei Schlusslicht Werder Bremen soll helfen, die Alpträume der vergangenen Woche zu vertreiben. «Die Bezeichnung Kellerduell ist durchaus angebracht. Wir haben die große Chance, einen Schritt zu machen», kommentierte Klopp. Auch Sportdirektor Michael Zorc hofft, dass die Profis nach dem dritten ansehnlichen Heimspiel in Serie endlich auch mal auswärts mit vergleichbarem Engagement zur Sache gehen: «Diese Leistung muss der Maßstab für Bremen sein.»

Die durch den Führerschein-Skandal von Reus entstandenen Störgeräusche zur Unzeit wollen die Borussen vor dem Hinrunden-Showdown ausblenden. «Jetzt ziehen wir einen Strich drunter, und es geht normal weiter», meinte Klopp.

Anders als beim blutleeren Auftritt in Berlin (0:1) erinnerte die Borussia im Duell mit dem bärenstarken Tabellenzweiten aus Wolfsburg zumindest phasenweise an alte Zeiten. Vor allem Ciro Immobile spielte groß auf. Der von vielen bereits als 18,5 Millionen Euro teurer Fehleinkauf abgeschriebene Italiener bereitete nicht nur das 1:0 durch Pierre-Emerick Aubameyang (8.) vor, sondern sorgte auch für die zwischenzeitliche 2:1-Führung (76.) seiner Mannschaft.

«Das war ohne Zweifel sein bestes Spiel für den BVB», lobte Klopp, «es war für alle wunderschön zu sehen, wie stark Ciro sein kann. Das hat ihm gutgetan, das hat uns gutgetan.» Die Begründung für den Leistungsschub des ehemaligen Torschützenkönigs der Serie A lieferte der Trainer gleich mit: «Wir sind dabei, für ihn unser Spiel etwas umzustellen. Außerdem haben wir an seinen Laufwegen gearbeitet.»

Diese Maßnahmen machen sich langsam aber sicher bezahlt: Mit großem Kampfgeist gab Immobile die Richtung für den Abstiegskampf vor und sammelte auch jenseits des Rasens Pluspunkte beim Trainer: «Wenn wir so spielen, wie Borussia spielen kann, mit dem Messer zwischen den Zähnen, dann können wir jedem wehtun», sagte der Angreifer.

Neben Immobile avancierte Wolfsburgs Kevin de Bruyne zum Hauptdarsteller eines sehenswerten Fußball-Abends. Selbst der ansonsten nur selten zu überschwänglichem Lob neigende «Wölfe»-Coach Dieter Hecking geriet ins Schwärmen. «Es war überragend, wie Kevin de Bruyne heute gespielt hat.» Der Belgier führte gekonnt Regie und brachte seine Mannschaft - dank der Hilfe von BVB-Keeper Mitch Langerak - per Freistoßtreffer zum 1:1 (29.) zurück ins Spiel. «Kevin war auch heute wieder sehr wichtig für uns», befand Innenverteidiger Naldo.

Nicht nur de Bruyne bereitete seinem Trainer großes Vergnügen. Schließlich traten die «Wölfe» beim BVB im Stile einer Klassemannschaft auf. Der Kopfball von Naldo (85.) zum 2:2-Endstand war Lohn für eine starke Vorstellung. Hecking schloss auch den Gegner in sein Lob ein: «Unabhängig vom Tabellenstand war es ein Duell auf Augenhöhe.» Doch als der Fußball-Lehrer der Borussia einen baldigen Abschied aus der Gefahrenzone prophezeite, unterbrach ihn Klopp mit den Worten «sag es bitte nicht». Hecking verstand seinen Dortmunder Kollegen: «Ich weiß, ihr könnt es nicht mehr hören.»


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