Montag, 26. Juni 2017
16. Juni 2017 um 16:10 Uhr von Interview: Nathalie Waehlisch, dpa

Musik-News : Beth Ditto: Zurück zu den Wurzeln

Berlin (dpa) «Wir haben einfach 'Tschüss' gesagt», berichtet Beth Ditto über das Ende ihrer Band Gossip. Nun meldet sich die US-Sängerin mit neuer Musik zurück. Erfolgsdruck verspürt sie nicht.
Beth Ditto weiß, wie eine große Show geht. Foto: Maurizio Gambarini

Beth Ditto weiß, wie eine große Show geht. Foto: Maurizio Gambarini

Lange war sie Frontfrau und Aushängeschild der US-Band Gossip («Heavy Cross»), nun legt Beth Ditto (36) einen Solo-Neustart hin. «Fake Sugar» heißt ihr erstes Album.

Zudem läuft ihre «World Tour 2017», in Deutschland ist die Sängerin in Berlin, Hamburg, Köln, München und Frankfurt zu sehen. Im dpa-Interview spricht sie über ihre neue Musik, die USA unter Präsident Donald Trump und ihr Lieblingshobby.

Frage: Nach vielen Jahren mit Gossip und dem großen Erfolg mit der Band kommt jetzt Ihr erstes Soloalbum heraus. Sind Sie nervös, ob es ein Erfolg wird - oder ganz entspannt?

Antwort: Sogar mit Gossip haben wir uns nie Sorgen gemacht, ob wir Erfolg haben. Was passiert, wenn ein Album erschienen ist, liegt nicht mehr in deiner Hand. Außerdem finde ich es gerade sehr aufregend, zurück zu den Wurzeln zu gehen und auf kleineren Bühnen zu stehen. Es geht nicht darum, unbedingt den großen Hit zu landen. Man will einfach ein Album machen. So muss man an das Ganze herangehen. Gossip hat mir so viel gegeben. Nun genieße ich das Neue.

Frage: Die Auflösung von Gossip ging ganz still über die Bühne, es gab keine große Ankündigung. Ist das endgültig - oder ist ein Comeback möglich?

Antwort: Ich glaube nicht, dass das möglich ist. Es gab keinen großen Krach. Am Ende haben wir einfach «Tschüss» gesagt, das Leben geht weiter. Natürlich bin ich traurig, und es ist eine große Veränderung im Leben. Aber es ist kein Drama.

Frage: Die Musik auf dem neuen Album unterscheidet sich recht stark vom Gossip-Sound. Wie würden Sie selbst die Musik charakterisieren?

Antwort: Das Album will keine bestimmte Schublade bedienen. Es soll kein Country-Album sein, kein Dance- oder Rock-Album. Es ist einfach wie es ist.

Frage: Was hat Sie inspiriert, als Sie die Musik geschrieben haben?

Antwort: Ich bin in einer sehr kleinen Stadt aufgewachsen. Als ich 18 wurde, bin ich dort so schnell weg wie ich konnte. Nun bin ich in meinen Dreißigern, habe Abstand und bin der Lage, die Zeit dort auch wertzuschätzen. Mein Vater ist gestorben, und ich habe nun wirklich schöne Erinnerungen an meinen Dad und all die Dinge, die wir gemeinsam unternommen haben: In Honky-Tonks und tanzen zu gehen, Country-Western-Dance anzuschauen - es geht um all die schönen Dinge in meiner Vergangenheit, die ich nicht würdigen konnte, und auch die Musik damals. Das wollte ich ausdrücken.

Frage: Somit ist es ein sehr persönliches Album?

Antwort: Das ist es wirklich. Die andere Sache ist, es ist Fluch und Segen zugleich, dass es vor den Wahlen fertig geworden ist. Ich konnte also ein Album über beliebige Songs machen, weil nicht so viel Ärger, Traurigkeit und Frust vorhanden waren. Ja, es ist persönlicher, weil der politische Aufruhr noch nicht so da war.

Frage: Dann hat also der Titel «Fake Sugar» nichts mit Trumps «Fake News» zu tun....

Antwort: Ich wünschte, es wäre so smart - aber das ist es nicht.

Frage: Sie sind ein politischer Mensch, nehmen kein Blatt vor den Mund. Wie hat sich das Land verändert, seit Trump im Amt ist, wie fühlt sich das an?

Antwort: Als ich jüngst in Arkansas war, habe ich mit meinem Bruder im Auto geplaudert, und es dreht sich alles sehr schnell um Politik. Wir haben beide darüber gesprochen, dass wir es nicht glauben können, was direkt vor unseren Augen passiert. Also auch Leute, die zuvor nicht politisiert waren, spüren nun wirklich die Auswirkungen und sind besorgt. In den USA gibt es dieses starke Gefühl der Unsicherheit in einer Art und Weise wie nie zuvor. Wir haben es mit jemandem zu tun, der nicht weiß, was er tut.

Frage: Noch einmal zurück zu Ihrer Arbeit. Sie waren auch in der Modewelt präsent, haben eine eigene Kollektion für Übergrößen herausgebracht. Nun haben Sie angekündigt, eine Pause einzulegen und den Webshop vom Netz zu nehmen. Ist das eine Abkehr vom Modebusiness?

Antwort: Ich habe das sehr gerne gemacht und mir bewiesen, dass ich das hinkriege. Aber ganz ehrlich, eine Modekollektion zu machen, war wirklich harte Arbeit. Davor habe ich keine Angst. Aber insbesondere, wenn man dabei unabhängig bleiben will, ist es wie ein eigenes Musiklabel zu starten. Der Erfolg war toll, du wirst damit bezahlt, wie die Leute es aufnehmen. Aber es war einfach viel Arbeit. Und: Ich bin keine Geschäftsfrau, es gibt einen Grund, warum ich keine Buchhalterin geworden bin.

Frage: Sie haben aber noch ein sehr modisches Hobby: Häkeln. Machen Sie das noch viel?

Antwort: Ja, das ist meine Lieblingsbeschäftigung. Und mein armer Assistent muss die ganze Zeit das Garn herumschleppen. Jetzt, wo so viele Leute in meinem Alter Babys bekommen, habe ich so viele Baby-Häkel-Projekte. Außerdem hat man immer etwas zu verschenken an Weihnachten.

ZUR PERSON: Beth Ditto (36) wuchs im US-Bundesstaat Arkansas auf. Der große Durchbruch mit ihrer Band Gossip kam mit dem Album «Music For Men» (2009). Der Titel «Heavy Cross» war in Deutschland fast 100 Wochen lang in den Single-Charts. Das letzte Album des Trios kam 2012 auf den Markt. Bekannt ist Ditto auch für ihre schillernden Outfits. Auf Modeschauen prominenter Designer war die Sängerin gern gesehener Gast.

Tour-Daten in Deutschland: 21.9. Berlin - Huxleys Neue Welt, 22.9. Hamburg - Reeperbahn Festival, 26.9. Köln - E-Werk, 27.9. München - Muffathalle, 5.10. Frankfurt - Batschkapp


Das könnte Sie auch interessieren
Robin Pecknold (r.) von den Fleet Foxes bei einem Konzert 2011 in Portugal. Foto: Jose Sena Goulao

:Ausgefuchster Bart-Folk: Fleet Foxes in Berlin

Berlin (dpa) Vor zehn Jahren begründeten die Fleet Foxes ein Genre quasi neu - den hymnischen Folkrock, gesungen von jungen Männern mit tollen Stimmen. Jetzt melden sie sich mit ihrem dritten Album zurück, dem so manche Anstrengung anzuhören ist. Live klingen sie weiterhin fantastisch. mehr...

Brian Wilson 2012 bei einem Konzert in Berlin. Foto: Britta Pedersen

:Brian Wilson kündigt neues Tribute-Album an

Wien (dpa) Er hat Drogen und Depressionen überlebt. Jetzt feiert Brian Wilson runden Geburtstag, geht auf Tour und hat neue Pläne. mehr...

Ein Rebell ist er geblieben: Der brasilianische Gitarrist Gilberto Gil wird 75. Foto: Laurent Gillieron

:Vater des «Tropicalismo»: Gilberto Gil wird 75

Rio de Janeiro (dpa) Er war der erste schwarze Kulturminister und hat über vier Millionen Platten verkauft. Gilberto Gil ist in Brasilien lebende Legende. Mit 75 steht er - auch dank weniger Marihuana - immer noch auf der Bühne. mehr...

:KC Rebell & Summer Cem verdrängen Bushido

Baden-Baden (dpa) Die Offiziellen Deutschen Charts werden von GfK Entertainment im Auftrag des Bundesverbandes Musikindustrie e.V. ermittelt. Sie decken 90 Prozent aller Musikverkäufe ab. mehr...

Musik-Fans auf Rock-Pilgerreise. Foto: Felix Kästle

:Linkin Park und Green Day bei Zwillingsfestival

Scheeßel (dpa) Rock auf der Bühne und Party auf dem Campingplatz: Rund 130 000 Musikfans werden zum Zwillingsfestival «Southside» und «Hurricane» erwartet. mehr...

Mediathek

Dreischers Wetter: Die Woche wird wechselhaft:

Anzeige
Service
Monsieur Pierre (Pierre Richard, l) schwebt mit Flora (Fanny Valette, r) auf Wolke sieben.anhören

Film der Woche:Monsieur Pierre geht online

Erinnern Sie sich noch an den „großen Blonden mit dem schwarzen Schuh“? Wenn ja, sind Sie A schon etwas älter und haben B ein Humorverständnis, dass über Mario Barth hinaus geht. Beides trifft auch auch Pierre Richard, der den „großen Blonden“ gespielt hat auch zu. Jetzt ist er - 83-jährig – wieder auf die Leinwand zurück gekehrt. In „Monsieur Pierre geht online". mehr...

Mark Wahlberg spielt Cade Yeager, den menschlichen Titelhelden des Blech-Spektakels Transformers 5, The Last Knight.anhören

Neu im Kino:Viel Krach und Rumms

Es gibt zwei gute Gründe, heute mal wieder ins Kino zu gehen. Erstens: Der klimatisierte Kinosaal gehört heute wahrscheinlich zu den kühlsten Orten der Stadt. Zweitens: da kann das Gewitter draußen noch so laut sein, was aus den Boxen kommt, ist garantiert lauter. mehr...

Gal Gadot bei der Premiere von «Wonder Woman» in Los Angeles. Foto: Jordan Strauss/Invisionanhören

Neu im Kino:Bauarbeiter, starke Frauen und grüne Daumen

Was läuft ab heute neu im Kino? Die Kinotipps gibt's zusammengefasst von Dirk Steinmetz. mehr...

Tickets
Facebook