Montag, 26. Juni 2017
18. Juni 2017 um 13:00 Uhr von Von Werner Herpell, dpa

Musik-News : Selbstbewusst funky: Spoon brillieren in Berlin

Berlin (dpa) Kaum eine andere weiße Rockband klingt so funky wie Spoon. Mit ihrem neunten Album haben die Musiker nochmal ein höheres Level erreicht. Der Berliner Konzertauftakt der Texaner strotzt zu Recht vor Selbstbewusstsein.
Die Mitglieder der US-amerikanischen Indie-Rock-Band Spoon, Rob Pope (l-r), Britt Daniel, Jim Eno und Eric Harvey. Foto: beggars.box.com

Die Mitglieder der US-amerikanischen Indie-Rock-Band Spoon, Rob Pope (l-r), Britt Daniel, Jim Eno und Eric Harvey. Foto: beggars.box.com

Es kommt nicht allzu oft vor, dass eine Band nach gut 20 Jahren ihr bestes Album abliefert. Spoon haben es dieses Jahr mit «Hot Thoughts» (Matador) geschafft. Live ist das Quintett aus Austin/Texas ohnehin eine Bank. Beim ersten von fünf Deutschland-Konzerten präsentierten sich Spoon in Höchstform.

Ein langes Keyboard-Intro des jüngsten Bandmitglieds Alex Fischel gibt am Samstagabend im gut gefüllten Berliner Astra die Richtung vor: Diese Band geht nicht auf Nummer sicher, sie spielt die neuen Songs und auch älteres Material nicht «vom Blatt».

Spoon haben sich immer die Freiheit genommen, mit ihrem Sound zu experimentieren, ihm Ecken und Kanten zu lassen, ihre Fans zu überraschen oder ihnen auch mal etwas zuzumuten. Und die Zahl der Verehrer ist dennoch gewachsen - in den USA, wo sie schon länger zu den Top-Bands gehören, aber auch in Europa. Spoon sind jetzt eine dieser Bands, auf die sich fast alle einigen können.

Mit «Hot Thoughts» haben Spoon ihre Mixtur aus massenkompatiblem weißem Rock mit Funk- und Soul-Elementen perfektioniert. Zwei der Toten des für die Fans so furchtbaren Jahres 2016 lassen sich aus Songs wie «Can I Sit Next To You» oder «I  Ain't The One» heraushören: David Bowie und Prince. Im Konzert kommen die meisten Tracks etwas rauer als gewohnt rüber, nehmen gelegentlich fast Jam-Charakter an.

Fischel und Eric Harvey pumpen den Spoon-Sound an Tasten und Gitarren mächtig auf, der grandiose Drummer Jim Eno und Bassmann Rob Pope bauen ein massives Rhythmus-Gerüst. Dabei bleibt der Klang im nicht unproblematischen Astra - einem schlauchartigen Club der mittleren Größenordnung - jederzeit kristallklar.

Unangefochten im Zentrum von Spoon steht auch an diesem Abend der Bandgründer, Sänger, Songschreiber und Gitarrist Britt Daniel - ein trotz seiner 46 Jahre noch jungenhaft wirkender Blondschopf mit freundlich-lässiger Ausstrahlung. Er hat eine dieser seltenen Stimmen mit Wiedererkennungswert: kraftvoll, selbstbewusst und immer etwas trotzig.

Die knapp 20 Songs des Berliner Sets sind eine kleine Werkschau des Spoon-Katalogs. Dabei zeigt sich, wie gut diese fünf Musiker als Liveband zusammengewachsen sind - aber auch, wie viele tolle Songs Daniel seit 1994 geschrieben hat. Davon überzeugen können sich Fans noch am 18. Juni in Mannheim (Maifeld Derby), am 19. Juni in München (Technikum), am 20. Juni in Hamburg (Uebel und Gefährlich) und am 3. Juli in Köln (Gloria).


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