Dienstag, 16. Januar 2018
19. Dezember 2017 um 11:40 Uhr von Von Wolfgang Marx, dpa

CD-Kritik : N.E.R.D.-Comeback mit Rihanna und Ed Sheeran

Berlin (dpa) Hochkarätige Gaststars, musikalische Grenzenlosigkeit und politischer Diskurs - Pharrell Williams und seine Mitstreiter lassen das Jahr wuchtig und gehaltvoll ausklingen.
N.E.R.D. halten die Augen offen. Foto: Sony Music

N.E.R.D. halten die Augen offen. Foto: Sony Music

Rihanna hat sich zwar klar dem R&B verschrieben, aber im Laufe ihrer rund zehnjährigen Super-Karriere hat die Sängerin aus Barbados immer wieder mal Kostproben ihres großen Rap-Talents gegeben. Bei ihrem Gastspiel auf dem selbstbetitelten neuen N.E.R.D.-Album «No One Ever Really Dies» ist sie wieder mal im Flow.

Nach einer Pause von sieben Jahren, abgesehen von einem SpongeBob-Soundtrack-Intermezzo, melden sich Pharrell Williams, Chad Hugo und Shay Haley jetzt mit zahlreichen Gaststars zurück und tauchen dabei ein in die Miseren Amerikas und der Welt - eine inhaltliche und musikalische Bestandsaufnahme.

Kritiker haben Mastermind Pharrell Williams häufig Inhaltslosigkeit vorgeworfen, aber auf «No One Ever Really Dies» muss man fröhliche, verliebte und tanzende Menschen mit der Lupe suchen. Es läuft vieles schief in dieser Welt und N.E.R.D. machen sich Gedanken darüber, nehmen eindeutig Stellung.

Ganz minimalistisch ist das Entrée gehalten: Der karge Opener «Lemon» gehört ganz Rihanna, die zu den Sounds einer flirrenden Drum Machine, verhalten perlenden Synthie-Linien und einigen Samples als «wütende Ethikerin» angekündigt wird.

Aber ganz so reduziert wie «Lemon», wo etliche Leerstellen für zusätzliche Spannung sorgen, geht es auf «No One Ever Really Dies» nicht zu. Der musikalische N.E.R.D.-Kosmos ist kaleidoskopisch und vereint Rap mit Rock und Funk mit Soul.

Da ist die butterweicher Piano-Ballade «Deep Down Body Thurst», die eine Gitarre, ein Bass, knackige Drums und ein «Hey, Hey, Hey»-Chor schließlich ordentlich aufmischen. Der Song ist unter anderem eine harsche Abrechnung mit der Einwanderungspolitik der USA. «Wir werden deine Mauer hochklettern», singt Pharrell.

Um Polizeiwillkür geht es in dem Track «Don't Don't Do It» (Feat. Kendrick Lamar), inspiriert von dem Tod des Afroamerikaners Keith Lamont Scott, der im September 2016 in Charlotte von der Polizei erschossen wurde. Danach kam es in der Stadt zu gewalttätigen Ausschreitungen.

Ganz wütend-rockig-punkig geht es in «1000» (Feat. Future) zu, in dem es unter anderem um den Luxus-Wahn geht. Mehr noch: Das aufwühlende Video zeigt eine ganze Reihe brutalster Gewalttätigkeiten wie man sie tagtäglich im Fernsehen und im Netz zu sehen bekommt. Und was auch nicht schaden kann: «ESP» ist eine Aufforderung, auch einmal seinen Verstand einzuschalten.

Beim Defilee der Superstars darf mit Ed Sheeran der momentan wohl erfolgreichste Künstler des Planeten nicht fehlen, der seine Hip-Hop-Wurzeln bereits auf seinem letzten Album «Divide» offengelegt hat und damit prima in den N.E.R.D.-Kosmos passt. Der entspannt über einem hypnotischen Beat groovende Dub-Reggae-Rap-Song «Lifting You» verbindet Party-Laune («Heute gehen wir steil») mit einer Breitseite gegen Leute, dich schlecht über andere reden. Amüsement und ein starkes Statement - das geht bei N.E.R.D. Hand in Hand


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