Montag, 18. Juni 2018
10. Dezember 2014 um 12:20 Uhr von Von Heinz Büse, dpa

Fußball : Abend der Comebacks beim BVB - Sonderlob für Immobile

Dortmund (dpa) Ein erleichterter Torjäger und das Comeback von gleich drei Langzeitverletzten - beim BVB gab es nach dem 1:1 gegen Anderlecht fast nur zufriedene Gesichter. Der Gruppensieg in der Champions League erhöht die Chance auf einen leichteren Achtelfinal-Gegner.
Ciro Immobile feiert mit Grüßen an seine schwangere Frau seinen Treffer zum 1:0 für Dortmund. Foto: Marius Becker

Ciro Immobile feiert mit Grüßen an seine schwangere Frau seinen Treffer zum 1:0 für Dortmund. Foto: Marius Becker

Den Torjubel nutzte Ciro Immobile zu einem Gruß an seine schwangere Frau. Der unter dem Trikot eingeklemmte Ball sorgte für einen kugelrunden Bauch, der Daumen wurde zum Schnullerersatz.

Mit dieser Baby-Geste ließ sich der von vielen Beobachtern bereits als Fehleinkauf eingestufte Dortmunder Königstransfer beim 1:1 (0:0) gegen Anderlecht von den Fans feiern. Bei aller Genugtuung über seinen vierten Champions-League-Treffer verzichtete der Italiener jedoch auf Forderungen nach einem Stammplatz. «Ich wünsche mir, dass wir die letzten drei Bundesligaspiele gewinnen. Dann können wir alle etwas entspannter Weihnachten feiern», kommentierte er erleichtert.

Das Tor des zuletzt nur selten eingesetzten und vor der Saison für 18,5 Millionen Euro verpflichteten Immobile zur 1:0-Führung (58. Minute) war nicht der einzige Lichtblick des Abends. Die Punktlandung der Borussia, die trotz des ärgerlichen Gegentreffers von Aleksandar Mitrovic (84.) den Gruppensieg perfekt machte, wurde durch das Comeback von gleich drei Langzeitverletzten versüßt. So bestritt Nuri Sahin erstmals seit sieben Monaten wieder ein Pflichtspiel für die Borussia - und genoss dabei nach eigenem Bekunden jede Minute: «Das Leiden hat ein Ende. Für mich ist das eine riesen Erleichterung.»

Zudem kehrten Jakub Blaszczykowski nach 318 Tagen und Oliver Kirch nach rund vier Monaten in das BVB-Team zurück. Der stürmische Applaus bei seiner Einwechslung in der 84. Minute ging Flügelflitzer Blaszczykowski sichtlich nahe: «Auf dieses Glücksgefühl habe ich lange gewartet.»

Die Aussicht auf mehr personelle Alternativen im anstehenden Bundesliga-Abstiegskampf und die ansprechende Vorstellung von Immobile besserten die Laune von Jürgen Klopp zusätzlich auf. Lächelnd bedachte der BVB-Coach den Torschützen mit einem Sonderlob: «Ciro ist ein Kämpfer und entwickelt sich gut.» Damit widersprach er ersten Spekulationen, wonach der BVB über einen Verkauf des Neuzugangs aus Turin schon in diesem Winter nachdenkt. Immerhin traf der 24-Jährige im Schnitt alle 116 Minuten - eine bessere Quote hat kein BVB-Profi.

Ob Immobile auch am Samstag im Spiel bei Bundesliga-Tabellennachbar Hertha BSC zum Einsatz kommt, ließ Klopp offen. Wie wichtig ihm die Partie in Berlin ist, verriet seine Aufstellung gegen Anderlecht. Gleich sechs Profis, die noch am Freitag beim 1:0 über Hoffenheim von Beginn dabei waren, fehlten in der Startformation. Dass trotz dieser Rotation zum dritten Mal in Serie der Gruppensieg in der Champions League gelang, erfüllte den Coach mit Stolz: «13 Punkte in der Gruppe sind eine Marke, egal, wie du sie herausgespielt hast. Alles ist gut.»

Als Fingerzeig für die Zukunft könnte gewertet werden, dass Klopp auf der Torhüterposition nicht rotierte. Wie schon gegen Hoffenheim musste sich Roman Weidenfeller mit einem Platz auf der Bank begnügen. Dessen Vertreter Mitch Langerak nutzte die Chance, sich für weitere Einsätze zu empfehlen. «Wir sind seit Jahren befreundet. Er hat mir vor der Partie viel Glück gewünscht», antwortete der Australier auf Fragen nach seinem Verhältnis zu Weidenfeller. Noch sieht Langerak keinen Grund, die bisherige Hierarchie infrage zu stellen: «Roman ist die Nummer eins, ich bin die Nummer zwei. Erst wenn ich mal 40 Spiele in Serie gemacht habe, könnte ich mich Nummer eins nennen.»

Anders als Weidenfeller hat Henrich Mchitarjan seinen Stammplatz nach wie vor sicher. Dabei konnte der Armenier auch im Duell mit Anderlecht seine mittlerweile chronische Abschlussschwäche nicht ablegen. Um den sensiblen Edeltechniker und Dauerläufer aufzurichten, schloss Klopp ihn unmittelbar nach dem Abpfiff in die Arme. Darüber hinaus verteidigte der Trainer seine Nummer 10 mit deutlichen Worten gegen Kritik: «Wir brauchen ihn wie das Wasser zum Leben. Dann macht er halt in Berlin sein Tor.»


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