Dienstag, 19. Juni 2018
22. Mai 2018 um 09:00 Uhr

Blickpunkt : Fachmann hält Rätsel um MH370-Verschwinden für gelöst

Kuala Lumpur (dpa) Mehr als vier Jahre ist Flug MH370 schon verschwunden. Jetzt behauptet ein Experte, das Rätsel gelöst zu haben. Demnach beging der Pilot Selbstmord und riss alle anderen mit sich - wie beim Germanwings-Absturz 2015 in Frankreich.
Ein Schatten eines Fliegers über dem Indischen Ozean, der nach dem Malaysia Airways Flight MH370 sucht. Foto: Richard Wainwright, AAP

Ein Schatten eines Fliegers über dem Indischen Ozean, der nach dem Malaysia Airways Flight MH370 sucht. Foto: Richard Wainwright, AAP

Das Verschwinden von Flug MH370 im März 2014 gehört zu den größten Rätseln der Luftfahrtgeschichte - der kanadische Experte Larry Vance glaubt nun, es gelöst zu haben.

Der Absturzermittler ist überzeugt davon, dass der Pilot der Malaysia Airlines das Flugzeug mit Absicht ins Meer steuerte. Demnach wäre dies ein Selbstmord, bei dem der Pilot 238 Menschen mit in den Tod riss - oder auch 238-facher Mord.

Der 69-Jährige vertritt seine Meinung in einem Buch, das an diesem Mittwoch in den USA erscheint: «MH370 - Mystery Solved» («MH370 - Rätsel gelöst»). Die These vom Selbstmord-Piloten gehört seit dem Verschwinden der Maschine kurz nach dem Start in Kuala Lumpur zu den beliebtesten Theorien. Auch Vance ist schon länger Anhänger davon. Vom Zustand von Wrackteilen der Boeing 777, die nach und nach aus dem Indischen Ozean gefischt wurden, sieht er sich nun bestätigt.

Die Teile - darunter eine fast 2,50 Meter lange Flügelklappe (Flaperon) - sind verhältnismäßig gut erhalten. Vance schließt deshalb aus, dass die Maschine ungesteuert mit großem Tempo ins Meer stürzte - dann wäre sie in Millionen Teile zersplittert, die auch noch länger auf dem Wasser getrieben seien. Er kommt zu dem Schluss, dass der Pilot die Boeing einigermaßen kontrolliert, fast wie bei einer normalen Landung, aufs Wasser setzte und untergehen ließ.

Wenn dem so wäre, läge die Boeing vermutlich noch relativ ganz irgendwo auf dem Meeresboden. Trotz intensiver Suche fehlt vom Rumpf bislang jedoch jede Spur. Vance, ein erfahrener Ermittler, präsentierte seine Theorie bereits im australischen Fernsehen - ohne allerdings alle zu überzeugen. Andere Fachleute werfen ihm vor, nur aus der Ferne zu ermitteln und sich die Fakten herauszupicken, die zu seiner Theorie passen. Die Maschine war auf dem Weg nach Peking mitten in der Nacht plötzlich vom Radar verschwunden.

Vance äußert sich auch nicht dazu, warum der Pilot Selbstmord begangen haben soll - und wenn ja, warum er zuvor noch sieben Stunden übers Meer flog. Der Kanadier meint, für die Klärung des Motivs seien andere zuständig. Unklar ist auch, warum der Rest der Besatzung und die Passagiere stundenlang still geblieben sein sollen. Vance vermutet, dass sie bald nach dem Start starben, weil ihnen der Pilot den Sauerstoff abschnitt. Das Cockpit wird gesondert versorgt.

Gegen die Theorie spricht, dass die Lebensumstände des Piloten Zaharie Ahmad Shah (53) und seines Copiloten Fariq Abdul Hamid (27) genau untersucht wurden. Demnach gibt es weder Hinweise auf Selbstmord-Gefährdung und noch einen Abschiedsbrief. Die groß angelegte Suche nach dem Wrack wurde Anfang 2017 eingestellt. In Kürze will ein privates Suchteam das Ergebnis einer eigenen Suche bekanntgeben. Bislang gibt es keine Hinweise, dass sie Erfolg hatte.


Das könnte Sie auch interessieren
Der Großbrand breitete sich über fast 200 Quadratkilometer aus. Symbolbild: Tristan Fortsch/KATU-TV/AP Foto: Tristan Fortsch

:15-Jähriger soll Millionenstrafe wegen Brandstiftung zahlen

Hood River County (dpa) Ein US-Richter hat einen 15-Jährigen wegen Brandstiftung zu einer Geldstrafe von mehr als 36 Millionen Dollar (rund 31 Millionen Euro) verurteilt. mehr...

Im Seniorenheim betreut ein junger Mann im Rahmen seines Bundesfreiwilligendienstes einen Pflegebedürftigen. Foto: Patrick Pleul

:Jeder dritte «Bufdi» bricht den Dienst vorzeitig ab

Berlin (dpa) Seit der Einführung des Bundesfreiwilligendienstes hat einem Zeitungsbericht zufolge jeder dritte «Bufdi» den Dienst vorzeitig quittiert. mehr...

Gegner des Präsidenten Maduro während eines Protestes egen das Ergebnis der Präsidentenwahl. Foto: Fernando Llano, AP

:Venezuela immer weiter isoliert

Caracas (dpa) Staatschef Maduro feiert seinen «historischen» Wahlsieg. Mit dem gegen allen Widerstand durchgedrückten Triumph manövriert sich die Regierung des südamerikanischen Landes allerdings immer weiter ins Aus. Länder aus der ganzen Welt erkennen das Ergebnis nicht an mehr...

Horst Seehofer (CSU), Bundesinnenminister. Foto: Ralf Hirschberger

:Seehofer kündigt Konsequenzen an

Berlin (dpa) Der Skandal um unzulässig ausgestellte Asylbescheide schlägt hohe Wellen. Im Visier der Kritiker: das Bundesflüchtlingsamt und der zuständige Minister Horst Seehofer. Der kündigt Konsequenzen an. mehr...

Sergio Mattarella, Präsident von Italien. Foto: Alessandra Tarantino, AP

:Italiens Staatspräsident berät über neue Regierung

Rom (dpa) Ein riesiger Schuldenberg und zwei Parteien, die Mehrausgaben planen. Das Szenario für Italien sorgt für Unruhe. Alle Augen sind auf einen gerichtet. mehr...

Mediathek

Dreischers Wetter: Leichte Schauer mit Auflockerungen

Anzeige
Service
Foto: Christin Kloseanhören

Die Danisch:Noch kein WM-Fieber?

Auf dem WM-Stimmungsbarometer ist noch deutlich Luft nach oben. Kein Wunder nach dem vergeigten WM-Auftakt der Deutschen Nationalmannschaft. mehr...

Wim Wenders stellte seinen Film «Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes» in Cannes vor.anhören

Film der Woche:Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes

Heute stellt uns Peter Dickmeyer mal einen Dokumentarfilm vor. Einen, in dem es um eine bestimmte Person geht. Dass das aber nicht irgendwer ist, wird klar, wenn man weiß, dass der Film "Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes" heißt. mehr...

Für Familien in Dortmund stehen in 2018 höhere Fördermittel für den Wohnungsbau zur Verfügung.

Wohnungsbau in Dortmund:Mehr Förderung für Familien

Die Stadt Dortmund informiert über die neuen Bedingungen beim geförderten Wohnungsbau in diesem Jahr. Besonders für Familien hat sich die Situation verbessert. mehr...

Tickets
Facebook