Freitag, 18. Januar 2019
11. Januar 2019 um 22:30 Uhr

Top-Themen : Südbayern im Ausnahmezustand - neuer Schnee erwartet

München (dpa) Tausende Helfer in Bayern sind im Dauereinsatz: Dächer und Straßen räumen, eingeschlossene Bewohner versorgen. Die Bundesregierung kündigt an, die Zahl der Soldaten im Notfall aufzustocken. Und ab Samstag soll es wieder stärker schneien.
Die heftigen Schneefälle der vergangenen Tage halten in Südbayern weiter die Einsatzkräfte in Atem und neuer Schnee ist bereits im Anmarsch. Foto: Lino Mirgeler

Die heftigen Schneefälle der vergangenen Tage halten in Südbayern weiter die Einsatzkräfte in Atem und neuer Schnee ist bereits im Anmarsch. Foto: Lino Mirgeler

Es sind zwar etwas weniger Flocken gefallen, die Schneemassen in Teilen Europas bleiben aber weiter gefährlich. Am Freitag kam der 48-jährige Fahrer eines Schneepflugs im bayerischen Lenggries ums Leben, als sein Fahrzeug auf einer Brücke umkippte und in einen Fluss stürzte.

In Bulgarien starben zwei Snowboardfahrer unter einer Lawine, die sie selbst ausgelöst haben. Sie seien außerhalb der Skipisten im südbulgarischen Pirin-Gebirge zusammen mit zwei weiteren Männern unterwegs gewesen, berichteten bulgarische Medien.

An den Flughäfen München und Frankfurt wurden am Freitag jeweils rund hundert Flüge gestrichen. Auch der Bahnverkehr blieb auf vielen Strecken Bayerns unterbrochen. Nach Angaben eines Bahnsprechers fallen auch in den kommenden Tagen zahlreiche Züge aus. In Österreich holte das Bundesheer eine große Schülergruppe aus dem Ruhrgebiet mit zwei Hubschraubern von einer Alm.

In fünf bayerischen Landkreisen gilt mittlerweile der Katastrophenfall. Mehr als 2200 Helfer und Einsatzkräfte waren im südlichen Oberbayern im Einsatz. Die Bundeswehr schickte 350 Soldaten in die tief verschneiten Landkreise. Sie befreiten Dächer von den schweren Schneemassen, versorgten Bewohner in schwer zugänglichen Orten und transportierten Helfer mit gepanzerten Kettenfahrzeugen.

Von Samstagabend bis Montagabend soll es auch in den sächsischen Mittelgebirgen schneien, vor allem aber wieder im Alpenraum und im Bayerischen Wald - und in niedrigeren Lagen regnen. Dies könnte die Lage dramatisch verschärfen und den Schnee auf einsturzgefährdeten Dächern noch schwerer machen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ zusichern, dass die Zahl der Einsatzkräfte notfalls aufgestockt werden könne. Sie drückte außerdem ihre Trauer über den Tod eines neunjährigen Jungen aus, der am Donnerstag bei München von einem umstürzenden Baum erschlagen wurde.

Viele Turnhallen in Südbayern blieben wegen der schweren Schneemassen auf den Dächern gesperrt. Bei der Räumung hätten deren Dächer aber hohe Priorität, sagte eine Sprecherin des Landratsamtes Miesbach. Die Turnhallen müssten als mögliche Notunterkünfte - unter anderem für Bürger oder Rettungskräfte - freigehalten werden.

Zahlreiche Auto- und Lastwagenfahrer kamen in weiten Teilen Bayerns auf den Straßen ins Rutschen. Die Straße nach Innsbruck war am Grenzübergang Mittenwald wegen akuter Lawinengefahr gesperrt. Pflegekräfte des Bayerischen Roten Kreuzes bekamen in den tief verschneiten Regionen Unterstützung von Landwirten: Mit Traktoren und Unimogs brachten Bauern die Pfleger zu alten und kranken Menschen.

In Franken freuten sich die Verantwortlichen in den Skigebieten über den Neuschnee auf den Pisten. Auch die bayerischen Landwirte waren froh. «Auf den Feldern und in den Wäldern wird die Feuchtigkeit wegen der starken Dürre im letzten Jahr dringend benötigt», sagte eine Sprecherin des Bayerischen Bauernverbands.

Die Schulstunden, die wegen des extremen Wetters ausfallen, müssen nach den Worten von Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) nicht nachgeholt werden. In etlichen Schulen fällt auch zu Beginn der neuen Woche der Unterricht aus.


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