Dienstag, 11. Dezember 2018
07. Dezember 2018 um 16:45 Uhr

Wirtschaft : Bahn-Tarifrunde noch nicht auf der Zielgeraden

Hannover/Berlin (dpa) In der Tarifrunde bei der Bahn geht es in kleinen Schritten voran. Die dicken Brocken liegen noch vor den drei Verhandlungsparteien. Das Wahlmodell für Lohn oder Urlaub könnte zum Stolperstein werden.
Zwei Servicemitarbeiter der Deutschen Bahn in Frankfurt am Main. Foto: Andreas Arnold

Zwei Servicemitarbeiter der Deutschen Bahn in Frankfurt am Main. Foto: Andreas Arnold

In den Tarifverhandlungen für rund 160.000 Beschäftigte der Deutschen Bahn haben sich Arbeitgeber und die beiden Gewerkschaften am Freitag langsam an ein Ergebnis herangetastet.

Bis zum Nachmittag hatten die entscheidenden Gespräche über die künftige Einkommenshöhe noch nicht begonnen. Die Tarifexperten der Bahn verhandelten an getrennten Orten in Hannover abwechselnd mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sowie der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL).

Wie Sprecher aller drei Parteien sagten, gingen die Delegationen Punkt für Punkt die umfangreichen Forderungskataloge der Gewerkschaften durch. Mit der EVG wurde zuletzt über Regelungen für Mitarbeiter diskutiert, die bei der Neuvergabe eines regionalen Streckennetzes von einem zum anderen Bahnbetreiber wechseln. Mit der GDL ging es vor allem um die Schichtpläne von Lokführern und Zugbegleitern. Die Lokführergewerkschaft dringt für ihre Leute auf eine besser planbare Freizeit als bisher.

Beide Gewerkschaften sind mit der Forderung nach 7,5 Prozent höheren Einkommen in die Verhandlungen gegangen, wobei die GDL dies auf eine Vertragslaufzeit von 24 Monaten bezog. Die Bahn wollte erst dann ein «Gesamtangebot» an beide Gewerkschaften vorlegen, wenn andere wichtige Fragen geklärt sind.

So hatten sich Bahn und EVG in der vorherigen Runde bereits auf Mietzuschüsse für Auszubildende, eine Vergütung von Reisezeiten zum Arbeitsplatz, die Verlängerung der Altersteilzeit und beim Komplex Digitalisierung der Arbeitswelt verständigt.

Noch nicht geeinigt hatte man sich hingegen auf die geforderte höhere Studien- und Ausbildungsvergütung und einen höheren Arbeitgeberanteil für die betriebliche Altersvorsorge.

Ein schwieriger Verhandlungspunkt in der Schlussrunde dürfte das von der EVG verlangte Wahlmodell für die nächste Lohnerhöhung sein: Die Arbeitnehmer sollen demnach statt des Geldes auch mehr Urlaub oder eine kürzere Arbeitszeit wählen können. Eine solche Regelung gibt es bereits seit Anfang 2018 für die jüngste Lohnerhöhung. Mit einer Ausweitung des Wahlrechts hätte die Bahn Probleme, weil dies den Personalmangel im Unternehmen verschärfen würde.

Die EVG hatte mit einem Abbruch der Gespräche und «weiterreichenden Aktionen» gedroht, falls in dieser Runde keine Einigung gelingen sollte. Sie vertritt in der Tarifrunde rund 160.000 Beschäftigte der Deutschen Bahn im Inland. Die kleinere GDL verhandelt für einen Teil davon - rund 36.000 Beschäftigte des Zugpersonals, darunter vor allem Lokführer, Zugbegleiter und Bordgastronomen.

Bahn-Personalvorstand Martin Seiler hatte von Anfang an als Ziel genannt, möglichst mit beiden Gewerkschaften «für gleiche Berufsgruppen auch zu vergleichbaren Ergebnissen zu kommen».


Das könnte Sie auch interessieren
Während einer Betriebsversammlung informiert die HSH Nordbank am Dienstag über seine künftige Struktur und den geplanten Personalabbau. Foto: Frank Molter

:HSH Nordbank streicht Arbeitsplätze im Norden zusammen

Kiel/Hamburg (dpa) Nach der Übernahme durch US-amerikanische Investoren steht die frühere HSH Nordbank vor einem massiven Stellenabbau. mehr...

Blick auf einen Eingang am Terminal des Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER). Foto: Britta Pedersen

:Flughafenchef: BER kann im Sommer 2019 fertiggestellt sein

Potsdam (dpa) Der Hauptstadtflughafen BER kann nach Einschätzung von Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup im Sommer 2019 fertiggestellt sein. mehr...

US-Präsident Donald Trump sprach auf Twitter von «sehr produktiven Gesprächen mit China» und stellte «wichtige Ankündigungen» in Aussicht. Foto: Evan Vucci/AP/dpa

:Trump führt «Sehr produktive Gespräche» mit China

Washington/Peking (dpa) US-Präsident Trump und sein chinesischer Kollege Xi haben einen «Waffenstillstand» in ihrem Handelskonflikt vereinbart. Nun scheint es Fortschritte bei den Bemühungen um eine Lösung des Streits zu geben - trotz der diplomatischen Krise um eine Festnahme. mehr...

Im Streit um schärfere Klimaschutz-Vorgaben für Neuwagen in der EU finden EU-Parlament und Staaten nicht zusammen und haben ihre Gespräche vertagt. Foto: Marcel Kusch

:Keine Lösung im EU-Streit um Klimaschutz-Vorgaben für Autos

Brüssel/Kattowitz (dpa) Für Klimaschützer ist der Verkehr ein Sorgenkind: Der CO2-Ausstoß steigt, spritfressende SUVs sind gefragt und Elektroautos erobern die Straßen nur langsam. Auf EU-Ebene wird heftig um neue Vorgaben gerungen. mehr...

Der deutsche Parfümeriemarkt ist derzeit im Umbruch, neue Konkurrenten machen dem Marktführer Douglas die Kunden streitig. Foto: Martin Gerten

:Parfümeriekette Douglas wächst nur dank Zukäufen

Düsseldorf (dpa) Der harte Wettbewerb in der Schönheitsbranche macht der Parfümeriekette Douglas zu schaffen. mehr...

Mediathek

Dreischers Wetter: Der Ausblick auf die Woche:

Anzeige
Service
Foto: wikimedia commons

Foodtrends:Im Winter gerne Rotkohl

Rotkohl klassich zubereitet gehört zu den Lieblingsbeilagen der Deutschen. Aber Rotkohl kann viel mehr: mehr...

Mit sogenannten "Spenden-Bausteinen" will der Dortmunder Zoo neue Tiergehege finanzieren.

Zoo Dortmund:Spenden-Bausteine für neue Tiergehege

Mit einer ungewöhnlichen Spendenaktion will der Dortmunder Zoo den Bau von neuen Tiergehegen finanzieren. mehr...

anhören

Film der Woche:Widows - Tödliche Witwen

Unser Film der Woche ist alles andere als besinnlich. In dem Thriller von Oscar-Preisträger Steve McQueen geht es um ein Verbrechen, das vor dem Hintergrund von Leidenschaft und Korruption spielt. mehr...

Tickets
Facebook