Dienstag, 11. Dezember 2018
05. Dezember 2018 um 12:55 Uhr

Wissen : Rote Liste: Fast ein Drittel heimischer Wildpflanzen bedroht

Berlin (dpa) Ackerwildkräuter und Adonisröschen haben in Deutschland einen schweren Stand. Sie lieben nährstoffarme Böden. Intensive Landwirtschaft mit viel Dünger kann ihre Standorte bedrohen.
Adonisröschen gehören zu den Wildpflanzen, die in Deutschland auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehen. Foto: Patrick Pleul

Adonisröschen gehören zu den Wildpflanzen, die in Deutschland auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehen. Foto: Patrick Pleul

In Deutschland stehen fast ein Drittel der heimischen Wildpflanzen auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Das geht aus einem Bericht des Bundesamts für Naturschutz (BfN) hervor, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Danach sind 30,8 Prozent von insgesamt 8650 Farn- und Blütenpflanzen, Moose und Algen in ihrem Bestand gefährdet.

In den vergangenen 20 Jahren habe sich damit der Zustand vieler Wildpflanzenarten in Deutschland gravierend verschlechtert. Gezielte Natur- und Umweltschutzmaßnahmen führten aber auch zu Verbesserungen. So seien etwa die Kornrade und der Fransenenzian nicht mehr gefährdet. Insgesamt bleibe die Lage deshalb unverändert, heißt es im Bericht. Helfen gegen den Artenschwund könnte vor allem eine naturverträgliche Landwirtschaft.

Gründe für Verschlechterungen sehen die Wissenschaftler in erster Linie in zu hohen Nährstoffbelastungen. Das liege vor allem an Überdüngung in der Landwirtschaft sowie an Schadstoffen in der Luft, etwa durch Autoabgase. So lieben zum Beispiel Arnika, Wiesen-Küchenschelle, Ackerwildkräuter und das mittlerweile vom Aussterben bedrohte Flammen-Adonisröschen nährstoffarme Standorte. Dazu zählen auch Moore und Heiden. Bedrohte Pflanzen kommen dort aber immer seltener vor, weil im Boden zu viele Nährstoffe wie Stickstoff oder Phosphor vorkommen.

Verbesserungen für die Pflanzen gab es laut Bericht, weil sich zum Beispiel die Luftqualität änderte: Weil Kraftwerke weniger Schwefel ausstoßen, geht es nachweislich Moosen besser, die auf Bäumen wachsen. Einigen Kieselalgen-Arten hilft es, dass Seen nicht mehr so saures Wasser haben. Bei Farn- und Blütenpflanzen ließ sich ein Schrumpfen der Bestände in den Gebieten aufhalten, die Schutzäcker oder Ackerrandstreifen haben. Das gilt zum Beispiel für die Kornrade oder die Dicke Trespe, früher typische Begleitpflanzen in Getreidefeldern.

Solche gezielte Hilfsprogramme gelten jedoch nur als Tropfen auf dem heißen Stein. Um den Artenrückgang auf breiter Front aufzuhalten, müssten eine naturverträgliche Landwirtschaft gefördert und die Gewässer verbessert werden, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel.

Nach Angaben der Behörde sind in den vergangenen 150 Jahren 119 Pflanzenarten in Deutschland ausgestorben oder nicht mehr zu finden. Ein Rückgang der Artenvielfalt wirke sich in einem Ökosystem negativ auf eine große Zahl anderer Organismen aus, heißt es im Bericht.

Für ihre neue Rote Liste berücksichtigten die Forscher Gefährdungseinstufungen von sechs Pflanzengruppen: Farn- und Blütenpflanzen (4305 Arten), Moose (1195 Arten), im Süßwasser vorkommende Braun- und Rotalgen (34 Arten), Schlauchalgen (45 Arten), Zieralgen (968 Arten) und limnische Kieselalgen (2103 Arten). Die Liste zählt Algen zu den Pflanzen.


Das könnte Sie auch interessieren
Die Deutschen sind zehn Tage nach Weihnachten am dicksten. Foto: Christophe Gateau

:Hilfe in der Plätzchenzeit

Birmingham/Loughborough (dpa) Ein Lebkuchen hier, ein Dominostein da und dann noch die fette Weihnachtsgans. Britische Forscher geben Tipps gegen den üblichen Gewichtszuwachs an den Feiertagen. Und das wirkt tatsächlich. mehr...

Die Abbildung zeigt die Position der NASA-Sonden Voyager 1 und Voyager 2 außerhalb der Heliosphäre der Sonne, die sich weit über die Umlaufbahn von Pluto hinaus erstreckt. Foto: JPL-Caltech/NASA

:«Voyager 2» verlässt als zweite Sonde Heliosphäre der Sonne

Washington (dpa) Sie dringen in Regionen vor, die nie zuvor eine Raumsonde erkundet gesehen hat: Nach ihrer Schwester ist nun auch «Voyager 2» aus dem Bereich der Magnetfelder um die Sonne geflogen. mehr...

Bhutan gilt als einziges klimaneutrales Land der Welt, leidet aber unter den Folgen des Klimawandels. Foto: Nick Kaiser/Illustration

:Bhutans Energiequellen trocknen aus

Thimphu (dpa) Dass Bhutan größtenteils aus Wald besteht, schreibt seine Verfassung vor. Aber auch als Land, das mehr Kohlendioxid schluckt als ausstößt, leidet es unter den Folgen des Klimawandels. Dem armen Himalaya-Königreich fehlen die Mittel, sich abzusichern. mehr...

Der Mond ist zwischen den Ästen eines Baumes zu sehen. Foto: Nicolas Armer/Illustration

:50 Jahre nach Mondlandung: Massenansturm auf Erdtrabanten

Washington (dpa) Lange galt der Mars als Objekt der Begierde im Weltraum. Jetzt, fast ein halbes Jahrhundert nach der ersten Mondlandung, ist der Erdtrabant zurück im Scheinwerferlicht. Weltweit wird wieder zum Mond gestrebt. Läuft wieder ein Rennen - und wenn ja, wer gewinnt diesmal? mehr...

«Wir sind weltweit der einzige Chor, der nur aus Psychiatern, Psychologen und Neurologen besteht», sagt Gründer Mazda Adli am Rande der Probe in einer alten Hörsaalruine auf dem Charité-Gelände. Foto: Christoph Soeder

:Einfach singen: Wie Seelenklempner Stress bewältigen

Berlin/Oldenburg (dpa) Einen Sonntagsblues kennen sie nicht, denn montags ist Chorprobe: In Berlin singen Psychologen, Psychiater und Neurologen gemeinsam. Für die Singing Shrinks, die Singenden Seelenklempner, sind die Proben weit mehr als nur Gesang. mehr...

Mediathek

Dreischers Wetter: Der Ausblick auf die Woche:

Anzeige
Service
Foto: wikimedia commons

Foodtrends:Im Winter gerne Rotkohl

Rotkohl klassich zubereitet gehört zu den Lieblingsbeilagen der Deutschen. Aber Rotkohl kann viel mehr: mehr...

Mit sogenannten "Spenden-Bausteinen" will der Dortmunder Zoo neue Tiergehege finanzieren.

Zoo Dortmund:Spenden-Bausteine für neue Tiergehege

Mit einer ungewöhnlichen Spendenaktion will der Dortmunder Zoo den Bau von neuen Tiergehegen finanzieren. mehr...

anhören

Film der Woche:Widows - Tödliche Witwen

Unser Film der Woche ist alles andere als besinnlich. In dem Thriller von Oscar-Preisträger Steve McQueen geht es um ein Verbrechen, das vor dem Hintergrund von Leidenschaft und Korruption spielt. mehr...

Tickets
Facebook