
BVB-Torwart Gregor Kobel über die Weltmeisterschaft, die aktuelle Saison und seine Ziele
Der Torwart von Borussia Dortmund, Gregor Kobel, war zu Gast bei 19:09 Der Schwarzgelbe Talk von Radio 91.2 und den Ruhr Nachrichten.
Veröffentlicht: Mittwoch, 29.04.2026 16:33
BVB-Torwart Gregor Kobel: "Schwierig, diese Saison zu bewerten"
Dortmunds Torwart Gregor Kobel war bei "1909 - Der schwarzgelbe Talk" von Radio 91.2 und den Ruhr Nachrichten zu Gast. Im Lensing Media Port sprach er über die Saison mit dem BVB, die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft als Nummer 1 der Schweiz sowie seine persönlichen Ambitionen für die Zukunft:
Ich glaube, diese Saison ist schwierig zu bewerten. Im DFB-Pokal und in der Champions League wollten wir weiter kommen. In der Bundesliga haben wir sehr gut gepunktet. Die Bayern waren einfach sehr stark. Wir hätten uns aber gewünscht, dass wir im DFB-Pokal oder der Champions League noch mehr hätten drauflegen können. Es gab aber auch sehr viele positive Dinge. Darauf müssen wir uns mehr konzentrieren.
Als Wettkämpfer bin ich nicht 100-prozentig zufrieden, weil wir nichts gewonnen haben. Aber als Mannschaft war es, vor allem in der Bundesliga, eine sehr sehr gute Saison. Wir als Mannschaft haben Charakter bewiesen und haben uns gut entwickelt.
Für mich persönlich war die Saison speziell. Ich habe weniger aufs Tor bekommen, als in den letzten Jahren. Die Jungs vor mir haben weniger zugelassen. Das haben wir auch Niko (Kovac, Anm.d.Red.)als Coach zu verdanken.
Das wichtigste sind die Ergebnisse. Auf der anderen Seite willst du den Fans etwas geben, weshalb sie gerne ins Stadion gehen. Das geht zum Beispiel über Emotionen, Zweikämpfe oder Intensität. Wir haben über das Jahr versucht, mit unserer defensiven Herangehensweise vorzugehen. Der nächste Schritt wäre, die Offensive besser einbinden zu können.
Wir haben einen Grundstein gelegt, der uns gut macht und der uns Sicherheit gibt. Und auf dem können wir aufbauen. Wir werden auch wärmer miteinander als Mannschaft, das hat man zum Beispiel gegen Freiburg gesehen.
Der Anspruch vom BVB ist es immer, weiter anzugreifen und vorne dabei zu sein. Das ist der Anspruch des gesamten Vereins. Wir haben gute Jungs dabei und wir werden weiter alles geben, um so erfolgreich wie möglich zu sein.
Es gibt so viel, was ich und was wir noch erreichen möchten. Deshalb müssen wir immer hart trainieren. Ich glaube, du erarbeitest dir Erfolge. Man muss sich auf die Arbeit fokussieren. Man hat zwar ein Ziel, aber das ist nicht geradlinig. Deshalb konzentriere ich mich auf den Weg anstatt auf das Ziel.
Der Jadon (Sancho, Anm. d. Red.)ist ein super Kerl. Als er damals im Winter gekommen ist, hat er uns super gut getan. Er war massiv daran beteiligt, dass wir ins Champions League-Finale gekommen sind. Ich hatte mit ihm eine gute Zeit.
Ich habe mich hier jeden Tag gut aufgehoben gefühlt und wohlgefühlt. Ich genieße es einfach gerade und deshalb würde ich gerne noch viele Jahre bleiben. Ich habe mal gesagt: "Wenn ich meine gesamte Karriere beim BVB verbringe, war es eine Hammerkarriere". Das ist auch so.
Bei der Schweizer Nationalmannschaft haben wir ein gutes Team zusammen. Wir sind aber trotzdem nicht das Fußballland, wie andere Nationen. Da fehlt noch die Tiefe. Wir spielen aber seit Jahren zusammen. Wir wollen das Maximum rausholen. Aber es ist schwierig zu sagen, welche Runde wir erreichen. Es wäre aber ein großer Erfolg, wenn wir ins Viertelfinale kommen. Das hat die Schweizer Nati noch nie geschafft. Aber auch dann wollen wir das Maximum herausholen.
Ich freue mich riesig, dass ich für mein Land spielen darf. Es ist natürlich etwas ganz anders als Vereinsfußball. Die Zeit, in der ich hinter Yan Sommer gewartet habe, war keine einfache Zeit. Für mich war es aber immer wichtig, eine gute Atmosphäre zu schaffen.
Allgemein als Torwart im Nachwuchsbereit solltest du die richtige Arbeitseinstellung haben. Allgemein etwas zu formulieren ist schwierig. Du brauchst ein Stück Neugier und Offenheit, in welchen Bereichen du dich verbessern kannst. Das sollte man aber auch behalten, wenn man älter wird.
BVB-Torwart Gregor Kobel wird im "Schwarzgelben Talk" persönlich
Auch persönlich offenbarte der Torwart von Borussia Dortmund tiefe Einblicke in seine Vergangenheit und seinen Charakter. Gregor Kobel sagte:
Erfolge und Rückschläge gehören beides dazu. Das ist das Schöne am Sport und gleichzeitig kann es richtig hart sein. Auf meiner Position bist du immer mit Fehlern konfrontiert. Du wirst wahrscheinlich einige Fehler machen. Das gehört dazu. Egal, wie gut du dich vorbereitest, Fehler gehören zu uns Menschen dazu. Du musst dein Mindset auf das lenken, was du beeinflussen kannst. Und dazu gehört eben eine optimale Vorbereitung und gutes Training. Darauf konzentriere ich mich.
Fondue und Raclette sind auf jeden Fall etwas ganz Feines. Für mich gehören da vor allem gute Kartoffeln und guter Käse dazu.
Ich bin mit viel Fußball aufgewachsen. Ich habe zwar auch früh Eishockey gespielt. Mit acht oder neun Jahren bin ich zu den Grashoppern Zürich gekommen. Es gab bei uns einen Postboten, der in den 90er-Jahren hochklassig Fußball gespielt hat. Und dieser Postbote hat mit uns trainiert. Und er hat gefragt, ob ich mal zu einem Training der Grashopper kommen will, weil die keinen Torwart haben.
Als Torwart musst du gut mit Drucksituationen umgehen. Bei Augsburg im Abstiegkampf oder bei Stuttgart, die unbedingt aufsteigen mussten, habe ich das als Anfang 20-Jähriger gelernt. Ich wollte mich diesen Situationen auch unbedingt stellen.
Ich habe noch relativ wenig über die Zeit nach meiner Karriere nachgedacht. Aber ich hoffe, dass ich noch viele Jahre vor mir habe. Ich habe eine kleine Tochter, mit der ich viel Zeit verbringen will. Ich hoffe auch noch auf mehr Kinder. Mal sehen, was das Leben noch bringt.
Ich höre nicht ganz so viel Musik. Ich höre lieber Podcasts. Auf Reisen haben wir sehr viel Zeit und wir sind ja viel unterwegs. Ich möchte mein Gehirn füttern, deshalb lese ich gerne auf Reisen. Unter anderem lese ich Biografien, zum Beispiel von Unternehmern oder auch Sportlern. Es ist interessant zu sehen, wie die Leute dorthin gekommen sind, wo sie jetzt sind.
Julian Ryerson ist in der Mannschaft der beste Golfspieler. Aber der ist auch single, der hat Zeit.
Vater zu sein, ist eine wunderschöne Sache. Das kann ich mit Worten schlecht beschreiben. Meine Frau macht einen tollen Job mit der Kleinen, nimmt mir auch sehr viel Arbeit ab. Anders ist das mit meinem Job auch nicht zu vereinbaren. Aber die Kleine macht es uns auch leicht.
Ich hatte als Kind kein absolutes Idol. Aber Oliver Kahn, Jens Lehmann und Petr Czech haben mich geprägt. Das waren auf jeden Fall Vorbilder.
Mein Vater, der Eishockey-Spieler war, ist froh, dass ich zum Fußball gegangen bin und nicht zum Eishockey. Ich übrigens auch, denn die haben sich damals schon echt kaputt gemacht.
Eisadler-Vorstandschef Stefan Witte: "In Dortmund gibt es einen Eishockey-Hype"
Neben Kobel, war auch der Vorstandsvorsitzende der Dortmunder Eisadler, Stefan Witte, zu Gast. Ihn verbindet eine lange Historie mit Borussia Dortmund:
Dortmund hat einen großen Anteil daran, dass Eishockey hier wieder groß geworden ist. Wenn du einen Sport am Freitagabend in einem historischen Stadion anbietest und das auf einem gewissen sportlichen Niveau, kommen auch die Leute.
In den letzten zwei Jahren sind viele Fans dazugekommen. Das ist natürlich gewachsen. Es gibt keine laute Lasershow oder so, sondern es soll authentisch bleiben.
Der Sohn von Rod Stewart spielt in England Eishockey. Wir hatten Kontakt. Und er spielt auch auf einem Niveau, das mit uns in Einklang zu bringen war. Aber ich konnte ihn nicht von den Vorzügen Dortmunds überzeugen.
Wir sind Nachbarn mit dem BVB an der Strobelallee. Wir kooperieren jetzt auch miteinander. Ich weiß nicht, inwieweit der BVB davon profitiert. Aber wir profitieren generell von der Stadt, von der Sportbegeisterung und von unseren lokalen Partnern. Es macht Spaß, weil die Begeisterung da ist.

