Gianni Infantino erneut zum FIFA-Präsidenten gewählt - ein Kommentar

Der Kongress des Weltfußball-Verbandes FIFA war eine Veranstaltung , wie sie der alte und jetzt auch wieder neue Präsident Gianni Infantino liebt. Er war der einzige Kandidat, es gab ein eindeutiges Wahlergebnis und den Applaus fast aller 211 Mitgliedsverbände. Ein Kommentar von Udo Kreuer.

Der Reiz des Fußballs sei, so sagt man, dass bis zur letzten Minute noch das Unwahrscheinlichste passieren kann. Das das eigentlich unterlegene Team immer noch eine Chance hat. Das gilt allerdings nicht für die Entscheidungen in den Fußball-Verbänden. Hier sorgen Strukturen, Abhängigkeiten und das Ringen um Macht und Geld für klare Verhältnisse. Und sie bringen einen Mann wie Gianni Infantino in eine Position, die es ihm erlaubt, kritische Stimmen einfach überhören zu können und die Rahmenbedinungen für den Weltfußball nach seinen Vorstellungen zu gestalten.

Mit seinen teils selbstherrlichen Auftritten bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar 2022 hat er uns gezeigt, wie wir ihn sehen sollen. So auch bei seiner Wiederwahl. Gianni Infantino legte seine rechte Hand aufs Herz. Gerührt genoss der FIFA-Präsident den Applaus, der ihn in der vollen Wahlarena auch ohne deutsche Unterstützung erneut beschwingt an die Spitze des Fußball-Weltverbands hob. "Alle, die mich lieben, alle die mich hassen, ich weiß, es gibt da ein paar - ich liebe euch alle."

Für kritische Stimmen nicht mal ein Unentschieden möglich

Und dann hat er einfach wieder die Zahlen sprechen lassen. Bis 2026 wird mit Einnahmen in Höhe von mindestens elf Milliarden US-Dollar gerechnet. Und immer wieder geht es dann vor allem um seine eigenen Verdienste: "Wenn ein Unternehmer ankündigen würde, dass die Dividenden um das Siebenfache erhöht werden, würde man ihn auf ewig behalten, dann ginge es nicht nur um ein Vierjahresmandat."

Da ist es also, sein Lebensziel: Der FIFA-Präsident für die Ewigkeit. Für den DFB und ein paar andere kritische Verbände in Europa beginnt damit eine dauerhafte Zeit als Opposition ohne Chance auf einen Erfolg. Um im Fußball zu bleiben. In den nächsten Jahren ist nicht mal ein Unentschieden möglich.

Autor: Udo Kreuer